NRW: Thyssenkrupp stoppt Umbau - Armin Laschet führt Gespräche

Konzern will 6000 Stellen streichen : Laschet führt Gespräche in Thyssenkrupp-Zentrale

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat sich am Samstag aus erster Hand zu den neuen Umbauplänen bei Thyssenkrupp informiert. Er war in Essen vor Ort, um Gespräche zu führen. Und Wünsche zu äußern.

Zu den neuen Umbauplänen und dem umfangreicheren Abbau von nunmehr 6000 Arbeitsplätzen sind bei Thyssenkrupp Gespräche zwischen dem Management und den Arbeitnehmervertretern angelaufen. Wie aus Kreisen von verschiedenen Seiten am Samstag verlautete, geht es zunächst um einen Rahmen und Fahrplan, wie und wann die Verhandlungen geführt werden. Die Arbeitnehmervertreter wollen dem Vernehmen nach erreichen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wertete dies als positives Signal. „Für mich hat sich hier wieder gezeigt, die Mitbestimmung funktioniert“, sagte Laschet am Samstag in Essen. Er war in der Essener Unternehmenszentrale von Thyssenkrupp mit dem Vorstandsvorsitzenden Guido Kerkhoff und dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzen Markus Grolms von der IG Metall zusammengetroffen. Nach Laschets Worten sollen die Arbeitnehmervertreter nun an jedem jetzt anstehenden Schritt beteiligt werden.

Laschet pocht zudem darauf, dass beim Umbau von Thyssenkrupp erzielte Einnahmen in den Konzern investiert werden. "Erlöse eines Börsengangs oder aus möglichen Veräußerungen müssen in die Zukunftsfähigkeit von Thyssenkrupp insgesamt investiert werden, damit der überwiegende Teil der Arbeitsplätze gesichert werden kann", sagte der CDU-Politiker nach dem Treffen Kerkhoff und Grolms. Auch unter den verschärften Rahmenbedingungen hätten Kerkhoff und die Arbeitnehmer Handlungsfähigkeit bewiesen. „Das Konzept, das mir Vorstand und Gewerkschaften gemeinsam vorgestellt haben, ist überzeugend. Es bietet Zukunftschancen für Thyssen-Krupp und für Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen“, sagte Laschet.

Thyssenkrupp streicht 6000 Stellen - das sagt der Chef zu den Plänen

Der Thyssenkrupp-Vorstand hat nach Gegenwind aus der EU-Kommission die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata abgesagt.

Laschet äußerte Verständnis, dass der Konzern der EU-Kommission nicht weiter entgegengekommen ist, um deren Zustimmung doch noch zu erhalten. „Es ist richtig, dass man nicht weiter nachgegeben hat, sondern jetzt einen Schnitt gemacht hat“, sagte er.

Der Konzern soll als Ganzes erhalten bleiben. Jedoch sollen in den kommenden drei Jahren 6000 Stellen gestrichen werden, 4000 mehr als bisher geplant. Entlassungen schließt er dabei nicht aus. Die IG Metall hatte mit Thyssenkrupp für den Fall der Stahlfusion mit Tata weitreichende Beschäftigungsgarantien vereinbart. Laschet sagte dazu, „ich glaube, dass aus diesem Geist heraus auch das, was jetzt ansteht, gemeinsam gelöst wird“. Von den 6000 Stellen, die Thyssenkrupp streichen will, sollen 4000 auf Deutschland entfallen.

Um neues Geld in die Kasse zu bekommen, will Kerkhoff die profitable Aufzugssparte an die Börse bringen. Dem Vernehmen wird in Kreisen der Arbeitnehmerseite ein möglicher Börsengang der Aufzugssparte nicht grundsätzlich abgelehnt. Dies könnte ein Weg sein, eine komplette Zerschlagung des Konzerns zu verhindern. Wichtig wäre deshalb, dass das Kapital aus einem möglichen Börsengang im Konzern bleibe, in die Zukunftsfähigkeit investiert werde und nicht ausgeschüttet werde. Laschet sagte, Vorstandschef Kerkhoff habe bestätigt, dass alle Erlöse aus dem Börsengang in das Unternehmen gesteckt werden sollen.

Unmittelbar nach der aufgegebenen Stahlfusion und der abgeblasenen Konzernaufspaltung berie Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff dem Vernehmen nach die neuen Pläne mit wichtigen Aufsichtsräten. Laut Kreisen wollte sich der Strategie- und Investitionsausschuss des Aufsichtsrates an diesem Samstag mit dem neuen Kurs beschäftigen.

Bei dem Managertreffen dürfte es darum gegangen sein, dass der Ausschuss die Annahme der Vorstandspläne empfiehlt. Kerkhoff hatte bereits am Freitag deutlich gemacht, dass er den Aufsichtsrat, in dem die Krupp-Stiftung und der schwedische Investor Cevian die größten Aktienpakete vertreten, auf seiner Seite sieht. Cevian-Co-Chef Lars Förberg forderte, es sei eine fundamentale Neuausrichtung notwendig.

Zu den Aufgaben des Ausschusses gehört laut der Geschäftsordnung, grundlegende Änderungen der Konzernorganisation mit dem Vorstand zu erörtern und hierzu Beschlussvorschläge an den Aufsichtsrat vorzubereiten. Martina Merz ist sowohl Vorsitzende des Aufsichtsrats als auch Vorsitzende des Strategie- und Investitionsausschusses.

(felt/mba/dpa/REU)
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