NRW-Städte schaffen zusätzliche Schlafplätze für Obdachlose

Notschlafplätze und offene U-Bahn-Stationen: Wie NRW-Städte Obdachlosen im Winter helfen wollen

Die ersten frostigen Nächte sind für Obdachlose der Auftakt zu einer besonders harten Zeit. Viele Städte in NRW bemühen sich, mehr Schlafstellen zur Verfügung zu stellen. Doch manchmal ist die Situation kompliziert.

Münster beispielsweise stellt von November bis März Container auf, die zusätzlichen Platz für 28 Obdachlose bieten. Es gibt bereits 130 Unterkunftsplätze in der Stadt.

Die Obdachlosen haben laut der Bürgerinitiative „Essen packt an“ in diesem Spätherbst damit zu kämpfen, dass es noch relativ lange mild war und zuletzt rasch kalt geworden ist. „Dieser Temperatursturz hat die Obdachlosen voll erwischt“, sagt Sprecher Markus Pajonk. Viele hätten sich noch nicht ausreichend mit warmer Kleidung und Decken ausgerüstet.

Wenn es nachts friert, sucht die Initiative in Essen Punkte ab, an denen Obdachlose häufig lagern. Dort hilft sie mit Schlafsäcken und heißen Getränken. Wer möchte, wird in eine Notunterkunft der Stadt oder das Wärmezelt des Deutsches Rotes Kreuzes gebracht, das nachts ab minus fünf Grad öffnet.

Am Duisburger Hauptbahnhof bleibt die Zwischenebene der U-Bahn-Station seit Mittwoch auch nachts geöffnet. Während der Wintermonate soll so ein zusätzlicher Raum zum Schutz vor der Kälte geschaffen werden, wie die die Duisburger Verkehrsgesellschaft mitteilte. Die Regelung bestehe, bis die Nächte wieder wärmer werden. In Dortmund gibt es nach Einschätzung der Stadt 400 Obdachlose. Derzeit gibt es für diese Menschen 266 Übernachtungsplätze. 30 weitere sollen noch geschaffen werden. Dortmund war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil die Stadt - anders als andere in NRW - Bußgelder gegen Obdachlose verhängt, die im Freien übernachten.

Hunde dürfen meist nicht mit in Schlafstellen

Die Landeshauptstadt rechnet indes mit rund 200 Menschen, die dauerhaft auf der Straße leben. Insgesamt gibt es in Düsseldorf rund 140 Plätze in Notschlafstellen zusätzlich zu stationären Einrichtungen, bei Bedarf könne die Anzahl erweitert werden. „Das klingt statistisch erstmal gut, aber es gibt ganz viele Gründe, warum Obdachlose diese Stellen nicht aufsuchen“, sagte Daniel Stumpe vom Düsseldorfer Verein „vision:teilen“ der Deutschen Presse-Agentur.

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Ein großes Problem neben der Angst vor Diebstahl und Gewalt sei, dass die Hunde, ihre treuen Begleiter, meistens nicht mit in die Unterkunft dürften. „Dann schlafen sie lieber draußen im Schlafsack bei ihrem Kumpel.“

In Köln gibt es deshalb für die Hunde von Obdachlosen unter anderem jede Nacht zehn Plätze im Kölner Tierschutzverein in Köln-Zollstock. Die größte Stadt des Bundeslandes hat bereits vor rund einer Woche die sogenannte humanitäre Winterhilfe geöffnet, in der Obdachlose nachts unterkommen können.

Im Frühjahr haben wir mit einem Obdachlosen aus Duisburg gesprochen, die Winternächte im Zelt verbringt. Er hat uns erklärt, warum er die Notschlafstellen nicht nutzt. Wie Sie Obdachlosen bei Kälte helfen können, lesen Sie hier.

(jco/dpa)
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