NRW-Polizeiautos sollen "abspecken"

Streifenwagen in NRW : Polizeiautos sollen "abspecken"

Zu eng, zu klein, zu wenig Platz - die Ausrüstung der neuen Streifenwagen müsse um 30 Prozent reduziert werden, fordert die Gewerkschaft der Polizei. Ende des Jahres werden aber noch rund 600 der in der Kritik stehenden alten 3er BMWs an die Polizei ausgeliefert.

Das Urteil vieler NRW-Polizisten über ihren aktuellen Streifenwagen, einen 3er BMW, ist vernichtend. Auch deswegen wird derzeit nach einem neuen Modell gesucht. Zur Auswahl stehen mehrere Fahrzeugtypen, die in ausgewählten Polizeipräsidien getestet worden sind. Die Auswertung der Testberichte läuft.

Doch was kaum einer weiß: Bevor überhaupt ein neues Dienstfahrzeug kommt, werden in diesem Jahr erst einmal noch mehr als 600 werksneue 3er BMW an die NRW-Polizei ausgeliefert. Und diese Autos müssen mindestens bis Ende 2021 gefahren werden. "Der Leasingvertrag läuft drei Jahre", bestätigt Michael Mertens, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Ursprünglich sollten vom Land NRW 1845 der 3er-BMW geleast werden. Inzwischen ist die Zahl auf knapp 2000 erhöht worden", erklärt Mertens.

Bei den mehr als 600 Fahrzeugen handelt es sich um die letzte Charge des mit BMW abgeschlossenen Leasingvertrages. "Parallel kommen aber ab dem kommenden Jahr schon die ersten Streifenwagen der nächsten Generation", sagt Mertens. Aber auch nur dann, wenn zeitnah ein geeignetes Modell ausgewählt werden kann, das dem fast 200-seitigen Anforderungskatalog der Polizei entspricht. Und noch wichtiger: Es muss sich dann auch noch ein Autohersteller finden, der sich bereit erklärt, die Streifenwagen für die NRW-Polizei herzustellen. Außerdem muss der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden, was nicht von heute auf morgen geht.

Nach Informationen unserer Redaktion soll auch noch gar nicht klar sein, ob es überhaupt eines der getesteten Fahrzeugmodelle (VW Touran, Ford S-Max, Opel Zafira, BMW 220d x-drive) wird. Fest stehen soll aber schon jetzt, dass auch diese Fahrzeuge wohl zu klein sein werden, um die bislang noch geforderte Ausrüstung vollständig unterbringen zu können. Die Gewerkschaft der Polizei fordert deshalb, dass das Equipment deutlich verkleinert wird. "20 bis 30 Prozent am bisherigen Ausrüstungsvolumen müssen reduziert werden, sonst ist es zu eng im Wagen", sagt Mertens. Die Fahrzeuge dürften nicht überladen werden. Es gebe auch Equipment, das man austauschen könnte gegen neuere, kleinere Modelle wie zum Beispiel die Leuchten und Pylone.

"Was aber auf gar keinen Fall raus darf, ist alles, was man zum Schutz benötigt - wie etwa die Schutzwesten", stellt er klar. Zudem müsste der Fuhrpark der Polizei deutlich größer werden. "Wir brauchen zehn Prozent mehr Autos als bisher. Wir stellen schließlich wieder mehr Polizisten ein. Dann muss auch dafür gesorgt werden, dass für sie Fahrzeuge vorhanden sind."

Wichtig sei auch der Mix der neuen Autoflotte. In der Stadt sei ein wendiges Fahrzeug gefragt. "Auf dem Land eher eines, in dem man viel unterkriegt und in dem man Platz zum Arbeiten hat", so Mertens. Ein Signal wäre es mit Sicherheit, wenn man den ein oder anderen Wagen mit einem Elektromotor anschaffte, der etwa für Dienstfahrten verwendet wird. Auch der Diesel sei nach wie vor gut.

In der Automobilbranche heißt es schon jetzt, dass man sich um einen solchen Auftrag nicht gerade reißen werde. Schon bei der vergangenen Ausschreibung soll es nach Informationen unserer Redaktion nur zwei Bewerber gegeben haben. "Und die Negativschlagzeilen über den BMW sind sicherlich nicht weiter förderlich gewesen", sagt eine verantwortliche Managerin eines großen deutschen Autobauers. "Man nimmt einen solchen Auftrag aus Imagegründen an - und nicht, weil er besonders lukrativ wäre. Aber wenn das Image darunter leiden kann, überlegt man sich das dreimal, sich um einen solchen Auftrag zu bewerben."

(csh)
Mehr von RP ONLINE