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NRW-Polizei fasst offenbar mehr als 1000 Handy-Sünder an nur einem Tag

Aktionstag gegen Smartphones : Ruf nach Härte gegen Handy-Sünder

Mit einem Aktionstag ist die Polizei in NRW gegen Smartphone-Nutzung am Steuer vorgegangen. Die Unsitte ist ähnlich gefährlich wie Alkohol. Nun wird über höhere Bußgelder diskutiert.

Bei einer landesweiten Kontrollaktion gegen die Handy-Nutzung am Steuer sind der Polizei am Mittwoch offenbar weit über 1000  Auto-,  Lkw- und Radfahrer ins Netz gegangen. Spitzenreiter waren gegen Mittag die Kreispolizeibehörden in Bonn und in Minden, die schon wenige Stunden nach Beginn der Aktion jeweils 49 Verstöße dokumentiert hatten. Andere Polizeibehörden, darunter Düsseldorf, hatten am Abend noch keinen Überblick. Das vollständige Ergebnis  aus ganz Nordrhein-Westfalen soll heute bekannt gegeben werden. Bei einer ähnlichen Aktion waren im September landesweit 1700 Auto- und Radfahrer erwischt worden.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) begleitete am Morgen eine der Kontrollaktionen in Neuss. „Handys am Steuer kosten Menschenleben. Telefonieren ist genauso gefährlich wie das Fahren mit mehr als 0,8 Promille Alkohol im Blut“, sagte der Minister. Vielerorts hielten Beamte in Zivil Ausschau nach Handy-Verstößen. Erwischte Auto- und Radfahrer wurden an eigenen Kontrollstellen gestoppt.

Im Jahr 2018 registrierte die NRW-Polizei 167.000 Handy-Verstöße, 10.000 mehr als im Vorjahr. Smartphones  gelten inzwischen als Ursache für eine Trendumkehr in fast allen westlichen Industriestaaten: Jahrzehntelang ging die Zahl der Verkehrsopfer zurück. Seit der massenhaften Verbreitung von Smartphones stagniert die Zahl; teilweise zeigt die Kurve wieder nach oben. Studien zufolge verursachen Smartphones in Deutschland so viele tödliche Verkehrsunfälle wie Alkohol. Der ADAC schätzt, dass derartige Ablenkungen zehn Prozent aller Unfälle mit Personenschaden verursachen. „Die meisten Fahrten erleben Autofahrer als langweilig und freuen sich offenbar über die elektronische Ablenkung“, sagte ADAC-Experte Roman Suthold.

Angesichts der steigenden Fallzahlen wird der Ruf nach härteren Strafen laut. Zuletzt hatte der Gesetzgeber die Strafen 2017 drastisch erhöht. Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Ulrich Lange, sagte unserer Redaktion: „Es war damals richtig und wichtig, die Handynutzung am Steuer mit höheren Bußgeldern zu sanktionieren.“ Lange plädiert für eine Überprüfung der Wirksamkeit. „Wenn sich daraus ergibt, dass eklatant dagegen verstoßen wird, bin ich zu weitergehenden Maßnahmen bereit.“ Die Verkehrsexpertin der SPD im Bundestag, Elvan Korkmaz, sagte: „Es gibt genügend technische Hilfsmittel wie Freisprechanlagen, die es entbehrlich machen, während der Fahrt zum Handy zu greifen. Wenn die derzeitigen Bußgelder nicht ausreichen, um diese Botschaft klar zu kommunizieren, sollten wir sie erhöhen.“

Der SPD-Fraktionsvize im Landtag, Sven Wolf, wertete Reuls Aktionstag trotzdem als „reine PR-Maßnahme“. Stattdessen forderte Wolf „umfangreiche Aufklärung über die Gefahren, intensive Kontrollen, technische Sperrvorrichtungen und auch die Prüfung härterer Strafen“. Letztere schließt Reul nicht aus: „Ich hoffe weiter auf die Einsicht der Autofahrer. Aber wenn sich da mittelfristig nichts tut, muss man weiterdenken.“ Regelmäßige Aktionstage gegen Handy-Sünder, wie sie sein Amtsvorgänger Ralf Jäger (SPD) mit sogenannten Blitz-Marathons gegen Raser unternommen hatte, plant Reul aber nicht.