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NRW-Landtag: Top-V-Mann „Murat Cem“ sagt vor Amri-Untersuchungsausschuss aus

NRW-Landtag : Top-V-Mann sagt vor Amri-Untersuchungsausschuss aus

Monatelange gab es Gezerre um den vermutlich wichtigsten Zeugen im Fall des Terroranschlags von Anis Amri in Berlin. Nun scheint er beendet. „Murat Cem“ wird vor dem Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags aussagen.

Der Top-V-Mann im Umfeld des islamistischen Attentäters Anis Amri wird am kommenden Montag vor dem Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags aussagen. Das bestätigten Parlamentskreise am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.

Der Mann mit dem Decknamen „Murat Cem“ werde audiovisuell von einem unbekannten Ort zugeschaltet. Er werde nicht zu erkennen sein. LKA-Beamte sollen seine Identität bestätigen. Der V-Mann des Landeskriminalamts NRW soll als Top-Quelle mehrfach vor Amri gewarnt haben. Behörden in Berlin hatten seine Angaben aber den Erkenntnissen zufolge in Zweifel gezogen.

Seine Zeugenaussage wird in nicht-öffentlicher Vernehmung erfolgen. Jeder Hinweis auf seine Identität oder seinen Aufenthaltsort könne seinen Tod bedeuten, hatten die Behörden erklärt. Inzwischen hat ein Verteidiger im Terrorverfahren um Abu Walaa allerdings die mutmaßliche Identität des Mannes verraten.

Der Untersuchungsausschuss in Düsseldorf beschäftigt sich mit der Aufklärung der Abläufe und Hintergründe des Terroranschlags am Berliner Breitscheidplatz. Der Mann mit dem Decknamen „Murat Cem“ - in den Akten wird er als Vertrauensperson „VP-01“ geführt - war jahrelang ein Top-Informant der Polizei in Nordrhein-Westfalen.

Nachdem er gegen Geld wertvolle Informationen aus anderen Kriminalitätsbereichen geliefert hatte, wechselte er in die Islamistenszene. Dort fand er Zugang zum Zirkel um den Hildesheimer Prediger „Abu Walaa“, der eine wichtige Rolle für die Terrormiliz IS in Deutschland eingenommen haben soll und in Celle vor Gericht steht.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagenfahrer erschossen und war mit dessen Fahrzeug über den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gerast. Insgesamt tötete er zwölf Menschen. Nach seiner Flucht wurde der Tunesier in Italien von der Polizei erschossen.

In Islamistenkreisen sollen Mordaufrufe gegen den Informanten kursieren. Der frühere V-Mann suchte allerdings selbst die Öffentlichkeit. Mehreren „Spiegel“-Reportern berichtete er ausführlich über sein früheres Doppelleben - woraus der Stoff für ein Buch mit dem Titel „Undercover - Ein V-Mann packt aus“ wurde. Der Ex-Informant wird weiter mit erheblichem Aufwand polizeilich geschützt, hatten die Behörden zuletzt gesagt.

(top/dpa)