Folgen nach Fall Dortmund Streifenpolizisten müssen Bodycams tragen

Nach dem Tod eines jungen Flüchtlings in Dortmund, der von einem Polizisten erschossen wurde, hat Innenminister Reul ein ganzes Maßnahmenpaket für die Polizei vorgestellt. Die Details dazu.

 Eine Polizistin der Streifenpolizei führt eine Bodycam vor.

Eine Polizistin der Streifenpolizei führt eine Bodycam vor.

Foto: dpa/Oliver Berg

Innenminister Herbert Reul (CDU) hat eine Tragepflicht für Bodycams bei der Polizei angekündigt. Dies sei eine der Maßnahmen nach den tödlichen Schüssen auf einen 16-jährigen Flüchtling in Dortmund, sagte Reul am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Die Tragepflicht betrifft rund 18.000 Streifenpolizisten im Land. Eine Pflicht, die Kamera auch jederzeit anzuschalten, wird es aus rechtlichen Gründen aber nicht geben.

Laut Reul wurden entsprechende Gespräche mit dem Hauptpersonalrat geführt. Nach dpa-Informationen könnte die Tragepflicht bereits im April kommen. Reul stellte im Innenausschuss ein Maßnahmenpaket mit fünf Punkten vor.

Bodycams

Für Bodycams - Kameras, die an der Uniform befestigt sind - gibt es in NRW bisher nur eine Trageempfehlung, keine Pflicht. Im Fall des getöteten Jugendlichen in Dortmund hatten Polizisten zwar Bodycams dabei, aber nicht eingeschaltet. Hintergrund: Der Einsatz lief zunächst als Einschreiten bei einem Suizidversuch. Der Flüchtling aus dem Senegal soll zunächst gedroht haben, sich mit einem Messer zu töten. Reul empfiehlt, die Kamera möglichst oft einzuschalten. Die Polizei in NRW hat 9000 Bodycams, die die Beamten sich in ihren Schichten teilen.

Einsatztraining

Das verpflichtende jährliche Einsatztraining wird laut Reul um zwei Tage auf dann sieben Tage ausgeweitet. Die Zusatzzeit solle genutzt werden, um den Umgang mit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen zu trainieren. Zudem werde es einen internen Podcast geben, den man sich verpflichtend anhören muss, so Reul.

Anleitungen

Reul kündigte an, dass schriftliche Anleitungen wie die sogenannte „Wachdienst-Fibel“ überarbeitet werden. So solle besonders die Bedeutung zwischenmenschlicher Kommunikation beim Einschreiten noch stärker betont werden.

Dolmetscher

Bereits nach dem tödlichen Einsatz in Dortmund, bei dem es Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Jugendlichen aus dem Senegal gegeben haben soll, hatte Reul eine Liste von mehrsprachigen Polizeibeamten in Auftrag gegeben. Sie könnten einspringen, wenn ein Dolmetscher gerade nicht zur Hand sei. Reul sagte am Donnerstag, dass auch die sogenannte Internetwache der Polizei in weitere Sprachen übersetzt werden soll.

Nachbereitung

Nach den tödlichen Schüssen gegen den 16-Jährigen wurden im Auftrag des Innenministeriums alle 48 Polizeieinsätze nachbereitet, die in den letzten fünf Jahren tödlich endeten. Systematische Defizite habe man bei der Analyse nicht festgestellt, sagte Reul.

Im Dortmunder Fall ist der Schütze inzwischen wegen Totschlags angeklagt worden, der Einsatzleiter wurde wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung und drei Beamte wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

(dtm/dpa)
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