Studie der Bertelsmann Stiftung NRW hat 110.000 Kita-Plätze zu wenig

Gütersloh · NRW kann den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nach wie vor „nicht bedarfsgerecht erfüllen“, heißt es in einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung. Wo die meisten Plätze fehlen und wie die Krise bekämpft werden kann.

Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden.

Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

In Nordrhein-Westfalen fehlen laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung rund 110.000 Kita-Plätze, um den Betreuungsbedarf zu decken. NRW könne den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nach wie vor „nicht bedarfsgerecht erfüllen“, sagte die Stiftungs-Expertin für frühkindliche Bildung, Kathrin Bock-Famulla, am Dienstag in Gütersloh. Nur knapp 30 Prozent der unter dreijährigen Kinder wird demnach in Kindertageseinrichtungen betreut - weniger als im Bundesdurchschnitt von 36 Prozent. Demgegenüber wünschen sich laut dem „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ 48 Prozent der Eltern in NRW einen Kita-Platz für ihr Kind in dieser Altersgruppe.

Bei den Kindern ab drei Jahren liegt die Betreuungsquote in NRW mit 91 Prozent fast im Bundesschnitt (92 Prozent). Der Eltern-Bedarf ist mit 95 Prozent allerdings noch leicht höher. Gleichzeitig werden 70 Prozent der Kita-Kinder im Bundesland laut Stiftung „in Gruppen mit nicht kindgerechten Personalschlüsseln“ betreut. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt für Krippengruppen eine Vollzeit-Fachkraft für drei Kinder - in Nordrhein-Westfalen liegt dieser Wert bei 3,6 Kindern. In Kindergartengruppen plädiert die Stiftung für einen Personalschlüssel von 1 zu 7,5. Im bevölkerungsreichsten Bundesland wird dieser Wert jedoch mit acht Kindern pro Fachkraft überschritten.

„Wenn eine Fachkraft für mehr Kinder verantwortlich ist als wissenschaftlich empfohlen, leidet darunter die Qualität der pädagogischen Praxis“, betonte Bock-Famulla. Es sei davon auszugehen, dass die Kitas in NRW aktuell ihren Bildungsauftrag für die Mehrheit der Kinder nicht erfüllen könnten. Weil Teamgespräche, Vor- und Nachbereitung sowie Urlaubs- sowie Krankheitstage berücksichtigt werden müssten, stünden im Schnitt nur zwei Drittel der Arbeitszeit von Fachkräften für die eigentliche Bildung und Betreuung zur Verfügung, hieß es weiter. Dadurch verschlechtere sich der Personalschlüssel in den Krippengruppen sogar auf 1 zu 5,4.

Laut Bertelsmann Stiftung benötigen die Kitas in NRW für eine Verbesserung der Situation „deutlich mehr Personal“. So geht ihr „Fachkräfte-Radar“ davon aus, dass 12.900 Fachkräfte bis zum Jahr 2025 fehlten, nur um die Betreuungsbedarfe der Eltern zu erfüllen. Um diesen Mangel abzufedern, müssten die vorhandenen Fachkräfte von nicht-pädagogischen Aufgaben, zum Beispiel in der Verwaltung und Hauswirtschaft, entlastet werden. Weiter nennt die Stiftung die Einstellung von Quereinsteigern mit einer pädagogischen Qualifikation und eine Reduzierung der Öffnungszeiten auf täglich sieben Stunden als mögliche Maßnahmen.

Für das Ländermonitoring und den „Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule“ wertete die Stiftung nach eigenen Angaben amtliche Statistiken wie etwa Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik aus. Die Datenbasis stammt demnach aus dem Jahr 2022.

(jh/epd)
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