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NRW: Handwerker aus ganz Deutschland packen in Flutgebieten an

1100 Betriebe helfen mit : Handwerker aus ganz Deutschland packen in Flutgebieten an

Seit der Flutkatastrophe arbeiten Handwerker aus jeder Ecke der Bundesrepublik in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten, manche ehrenamtlich. Reibungslos verläuft der Wiederaufbau nicht.

Es ist wohl Deutschlands größte Baustelle. In den Flutgebieten arbeiten Tausende seit der Katastrophe im August daran, Häuser, Geschäfte, ganze Städte wieder bewohnbar zu machen. Doch wer soll das alles stemmen? „Der Wiederaufbau ist eine nationale Aufgabe“, hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) Tage nach der Katastrophe gesagt. Man brauche nicht nur Milliarden von Bund und Ländern, sondern auch Bauunternehmen und Handwerker aus dem gesamten Bundesgebiet, die mehrere Monate im Katastrophengebiet arbeiten. Rund 100 Tage nach der Flut ist klar, dass der Aufbau bis ins kommende Jahr hinein andauern wird. Die Hilfsbereitschaft der Handwerker ist groß – doch reibungslos laufen die Arbeiten nicht.

Damit Betroffene unkompliziert Handwerker finden können, haben die Handwerkskammern die Plattform „Handwerk baut auf“ ins Leben gerufen. Dort bündeln sie Informationen zu Handwerkern, die in den betroffenen Gebieten arbeiten. Mehr als 1100 Betriebe haben sich dort aktuell angemeldet. Auf der Webseite kann man mit der eigenen Postleitzahl nach dem passenden Experten und den jeweiligen Kontaktdaten suchen.

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Manche Helfer sind hunderte Kilometer weit gefahren und bleiben mehrere Monate in der Nähe der vom Hochwasser getroffenen Gemeinden, um Aufträge entgegenzunehmen. Berlin, Hamburg, München – aus praktisch jeder Ecke Deutschlands findet man auf der Plattform Betriebe. Viele von ihnen arbeiten auch teilweise auf ehrenamtlicher Basis, auch das ist auf der Plattform direkt erkennbar.

„Für den Wiederaufbau sind vor allem Sanitär-, Heizungs- und Klima- sowie Elektrobetriebe, aber auch Maurer- und Betonbauer, Fliesenleger, Estrichleger und Fensterbauer sehr gefragt“, sagt Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages. Der überall sichtbare Fachkräftebedarf mache den Wiederaufbau nicht einfacher. Trotzdem wollten viele Handwerker mit anpacken. „Sie werden die Qualität liefern und die Herausforderung gemeinsam mit den Partnern vor Ort meistern“, sagt Heidmeier.

Jedoch haben die ortsfremden Handwerker bisweilen Schwierigkeiten damit, einen Schlafplatz zu finden. Dafür fordert Heidmeier Lösungen auf Kreisebene. „Um den Aufbau in der Zukunft weiter voran zu bringen, müsste nach unserer Einschätzung ein Unterbringungs- und Verpflegungssystem etabliert und eine sichtbare Willkommenskultur für ortsfremde Handwerksunternehmen geschaffen werden.“ Die Handwerker kämen nur mit ihrem Werkzeug und erwarteten, dass Unterkunft und Verpflegung geregelt seien.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Teilweise fehlt das Material. Der weltweite Rohstoffmangel trifft gerade das Baugewerbe hart. Es fehlen Stahl, Aluminium, Kunststoffe, Holz. Das betrifft 78 Prozent der Unternehmen im Baugewerbe, so das Ergebnis einer aktuellen Befragung der staatlichen Förderbank KfW. Volkswirte rechnen damit, dass es noch Monate dauern wird, bis sich die Lieferengpässe auflösen.

Dauern werden die Arbeiten auf Deutschlands größter Baustelle. „Der echte Wiederaufbau der von Flut und Hochwasser getroffenen Gebiete beginnt vermutlich erst im kommenden Jahr so richtig“, sagt Matthias Heidmeier. Aktuell werde vor Ort vor allem aufgeräumt und getrocknet.

Info Die Plattform der Handwerkskammern ist online unter www.handwerk-baut-auf.de erreichbar