NRW: Günstige Beerdigungen - Discount-Bestatter liegen in Deutschland im Trend

Günstig ins Grab : Discount-Bestattungen liegen in NRW im Trend

Immer mehr Bestatter in Nordrhein-Westfalen bieten günstige Beerdigungen an. Der Verband rät Kunden zu prüfen, was sie für ihr Geld bekommen. Ist Sparsamkeit mit Pietät vereinbar?

Nicht nur Supermärkte und Warenhäuser locken mit Sonderangeboten, sondern auch Bestatter. „Ab 444 Euro“ oder „950 Euro für ganz NRW“ steht auf Werbeplakaten, meist neben einem Sarg oder einem Kreuz. Billig-Bestatter in Nordrhein-Westfalen vertreiben ihre Angebote aber vor allem über das Internet.

„Es gibt einen Trend zu günstigen Bestattungen: In den vergangenen ein, zwei Jahrzehnten sind zahlreiche Discount-Bestatter auf den Markt gedrängt“, sagt Alexander Helbach, Pressesprecher von Aeternitas, einer Verbraucherinitiative für Bestattungskultur. „Diese Entwicklung hat sich zuletzt noch einmal verstärkt.“ In NRW gibt es rund 1200 Bestattungsunternehmen, davon sind rund 1040 im nordrhein-westfälischen Bestatterverband organisiert. Zum Großteil handelt es sich dabei um Familienbetriebe und inhabergeführte Betriebe. Billig-Bestatter machen laut Verband bundesweit etwa 10 bis 15 Prozent aus.

„Der Bestattungsmarkt war bis ins späte 20. Jahrhundert intransparent“, sagt Norbert Fischer, Kulturwissenschaftler an der Universität Hamburg. Seit den 1990er Jahren erzeugen Konzerne durch offensiveres Marketing eine überregionale Präsenz. Eine Bestattung umfasst sowohl handwerkliche, beratende als auch kaufmännische Leistungen und Kosten. „Daher ist aus meiner Sicht ein Preis angemessen, der die Arbeitsleistung und den Aufwand widerspiegelt“, sagt Christian Jäger, Geschäftsführer des Bestatterverbands NRW. Hinzu kommen Friedhofsgebühren, die regional unterschiedlich hoch sind. Nach Angaben des Bestatterverbands kostet eine Bestattung im Durchschnitt 2500 Euro bis 4000 Euro. Jäger rät allerdings, bei der Planung die Folgekosten nicht außer Acht zu lassen: „Grabstein, Grabpflege und Grabnutzungsgebühren kosten zusätzlich einen Betrag zwischen 800 und 8000 Euro.“

Ganz anders sind die Preise beim Discount-Bestatter Segenius. In NRW kostet eine Feuerbestattung inklusive aller Leistungen nach eigenen Angaben 838 Euro exklusive der Friedhofsgebühren. „Da entstehen wirklich keine weiteren Kosten und Folgekosten“, versichert Geschäftsführer Jörn Gerischer. 2010 gründete er das Online-Bestattungsunternehmen, das bundesweit Bestattungen anbietet. Nach eigenen Angaben hat die Firma ihren Umsatz in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. „Wie in NRW verzeichnen wir in ganz Deutschland eine steigende Nachfrage“, sagt er. „Man kann die Dienstleistung eines Bestatters, die sich in der Regel immer gleicht, preisbewusst oder teuer einkaufen“, sagt Gerischer. Nach eigenen Angaben macht der Personalaufwand zwischen 60 und 70 Prozent des Preises aus.

Segenius macht fast ausschließlich Feuerbestattungen, nur drei Prozent sind Erdbestattungen. Auch in NRW geht der Trend dem Bestatterverband zufolge zu Feuerbestattungen: 60 Prozent machen Feuerbestattungen aus. Im Jahr 2000 hatten Erdbestattungen noch einen Anteil von 70 Prozent. Nach Angaben von Aeternitas sind Feuerbestattungen meist günstiger: Bei ihnen ist der Sarg meist weniger aufwendig, die Friedhofsgebühren sind niedriger und die Grabpflege ist nicht so aufwendig.

Wieso sind günstige Bestattungen so beliebt? „Traditionen und religiöse Bindungen verlieren an Bedeutung und Familienstrukturen verändern sich“, erklärt Alexander Helbach von Aeternitas. „Immer mehr Menschen wollen auf besonders einfache und günstige Weise ihre letzte Ruhe finden. Bestattung und Grab dienen immer weniger der Repräsentation des gesellschaftlichen Standes.“ Für viele Menschen ist Sparsamkeit bei diesem sensiblen Thema dennoch ein Tabu. „Pietät hat nichts mit viel oder weniger Geld ausgeben zu tun“, erwidert Gerischer.

Der Geschäftsführer des Bestatterverbands NRW sieht die günstige Konkurrenz kritisch: „Menschen haben im Bereich Tod und Bestattung oft kein richtiges Preisgefühl und sind anfällig für Lockvogel-Angebote, die viel versprechen und letztlich wenig halten“, sagt Jäger. Demnach werden bei diesen Angeboten „wesentliche Bestandteile“ des Gesamtpreises nicht genannt, kritisiert er. „In vielen Fällen ist das vermeintliche Sonderangebot genauso hoch oder sogar höher als das Angebot des Bestatters vor Ort.“

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