NRW-Großrazzia gegen Schwarzarbeit - Experte lobt abschreckende Wirkung

Einsatz gegen organisierte Schwarzarbeit: Großrazzia in NRW - Experte sieht abschreckende Wirkung

Die Großrazzia gegen die organisierte Schwarzarbeit in NRW stößt bei Experten auf Zustimmung. "Der Staat hat hier sehr sichtbar agiert und Abschreckung erzeugt", sagte Schwarzarbeitsforscher Dominik Enste unserer Redaktion.

Dominik Enste ist Wissenschaftler am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) und gilt als einer der führenden Schwarzarbeitsforscher in Deutschland. Nach seinen Worten ist die Baubranche "traditionell eines der größten Problemfelder bei der Schwarzarbeit".

Auf Baustellen sei der Anteil der menschlichen Arbeit am Gesamtprozess auch heute noch extrem hoch, was ein großes Verführungspotenzial sowohl für den Auftraggeber als auch für den Auftragnehmer darstelle. "Weil die Schwarzarbeit am Bau in so großem Umfang erfolgt, ist sie zu einem beliebten Beschäftigungsfeld für die vernetzte Kriminalität geworden, die den Betrug hier im großen Stil organisiert", sagt Enste.

Der Wissenschaftler hat die Schwarzarbeit in Deutschland erst im vergangenen Jahr in einer umfangreichen Studie analysiert. Demnach ist der Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland von 241 Milliarden Euro im Jahr 1995 auf 340 Milliarden Euro im Jahr 2015 angewachsen.

Unklar, wie viele Schwarzarbeiter in Deutschland beschäftigt sind

Die Schwarzarbeit hat wiederum innerhalb der Schattenwirtschaft, zu der etwa auch der Drogenhandel oder das illegale Glücksspiel gehören, einen Anteil von mehr als einem Drittel - 136 Milliarden Euro allein im Jahr 2016, wobei der "Materialeinsatz ohne Rechnung", der die Schwarzarbeit oft begleitet, noch nicht eingerechnet ist.

Völlig unklar ist der Studie zufolge, wie viele Schwarzarbeiter in Deutschland beschäftigt werden. Unzweifelhaft ist aber, dass jährlich mehrere Millionen Menschen zumindest gelegentlich schwarz arbeiten, darunter allein schon bis zu drei Millionen Haushaltshilfen.

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Der durchschnittliche Stundenlohn schwarz beschäftigter Menschen liegt in Deutschland bei rund zehn Euro, allerdings zahlte jeder achte Bundesbürger laut der Studie auch mehr als 20 Euro pro Stunde.

Im EU-Durchschnitt wurden 11 Euro gezahlt, wobei in Finnland mit durchschnittlich 25 Euro pro Stunde die Schwarzarbeit am teuersten und in Rumänien mit zwei Euro pro Stunde am günstigsten ist. Die großen Lohnunterschiede bei der Schwarzarbeit im internationalen Vergleich erklären auch, warum bei der Razzia in NRW an diesem Dienstag offenbar Schwarzarbeiter aus dem Balkan eine größere Rolle gespielt haben sollen.

Schwarzarbeit laut Studie am häufigsten bei "Arbeiten im und am Haus" genutzt

Laut Enste sind "Arbeiten im und am Haus" mit 18,7 Prozent Anteil an der gesamten Schwarzarbeit das häufigste Betätigungsfeld für Schwarzarbeiter. Gefolgt von Hausarbeiten (15,8 Prozent), KfZ-Reparaturen (13,7 Prozent) und der Gastronomie (12,8 Prozent). Aber auch im Friseur-Handwerk und bei der Kinderbetreuung sind solche Fälle keine Seltenheit. Im Einzelhandel und in der Industrie spielt Schwarzarbeit hingegen kaum eine Rolle.

In Deutschland wird die Schwarzarbeit von rund 6700 Beschäftigten der Finanzkontrolle bekämpft. Sie ist bundesweit mit rund hundert Standorten vertreten.

(tor)