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Zunächst auf Probe: NRW führt islamischen Religionsunterricht ein

Zunächst auf Probe : NRW führt islamischen Religionsunterricht ein

An den Schulen in NRW wird voraussichtlich ab dem Schuljahr 2010/2011 islamischer Religionsunterricht erteilt. Das teilte Integrationsminister Armin Laschet (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf mit. Der Unterricht soll in deutscher Sprache, unter deutscher Schulaufsicht und von deutschen Lehrern gegeben werden.

Über die Inhalte werde sich das Land mit den vier in der Deutschen Islamkonferenz vertretenen islamischen Verbänden einigen, sagte Laschet.

"Wir werden einen landesweiten Schulversuch vorbereiten, der den bisherigen Schulversuch Islamkunde in deutscher Sprache ablöst, der derzeit in 128 Schulen im Land läuft", so Laschet. Einen entsprechenden Beschluss habe das Kabinett am Dienstag gefasst.

Er sei mit allen vier Landtagsfraktionen abgestimmt. Das Projekt werde nicht die rechtliche Qualität eines bekenntnisorientierten Religionsunterricht haben, wie ihn die christlichen Kirchen erteilen. Inhaltlich werde er jedoch ähnliche Qualität haben.

Das Fach soll anders als die bisherige Islamkunde nicht am Nachmittag, sondern innerhalb der regelmäßigen Schulstunden unterrichtet werden und dann auch versetzungsrelevant sein. Ein rascher Ausbau über die bisherigen 128 Schulen hinaus sei geplant. In NRW gibt es rund 6.600 Schulen.

Laschet nannte die Einführung des Versuchs einen "dringend notwendigen Kompromiss". Die Landesregierung folge damit einer Empfehlung der Islamkonferenz und werde so auch ihrer Verantwortung gegenüber den muslimischen Schülern gerecht. Alle Anstrengungen zur Einführung eines bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht hätten bislang zu keinem Erfolg geführt. Dazu benötige der Staat auf muslimsicher Seite eines für alle Muslime repräsentativen Ansprechpartners. Es existiere jedoch noch keine vom Staat anerkannte islamische Religionsgemeinschaft. Laut der in der vergangenen Woche veröffentlichten Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" würden aber mehr als zwei Drittel der hier lebenden Muslime die Einführung eines Religionsunterrichts begrüßen.

"Jetzt wird nicht mehr gewartet", so Laschet. Auch wenn sich letztendlich nicht alle vier Islamverbände an der Erarbeitung der Lehrpläne beteiligen sollten, werde gehandelt. Der Minister verwies darauf, dass sich nach Erkenntnissen der Islamkonferenz rund 25 Prozent der Muslime durch einen der großen vier Islamverbände vertreten fühlen. Es müsse aber auch mit den übrigen 75 Prozent "in irgendeiner Weise gesprochen" und für sie eine Vertretung gefunden werden.

Zu den an der Deutschen Islamkonferenz beteiligten großen muslimischen Verbänden zählen der Zentralrat der Muslime, der Islamrat, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ).

Als nächster Schritt ist laut Laschet das NRW-Schulministerium aufgefordert, eine Ergänzung zum Schulgesetz zu erarbeiten, den Versuch vorzubereiten und die Lehrerausbildung zu regeln. Zunächst könnten diejenigen Lehrer weitergebildet werden, die bislang Islamkunde unterrichten. Daneben sollten Lehrer muslimischen Glaubens für das Fach geworben werden. Hinzu kämen in einigen Jahren die jetzigen Lehramtsstudenten für islamischen Religionsunterricht.

In Nordrhein-Westfalen leben nach Angaben des Landes zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Muslime. Das sind 7 bis 8 Prozent der Bevölkerung. Etwa 46 Prozent von ihnen sind deutsche Staatsbürger. Die Sunniten bilden mit etwa 80 Prozent die Mehrheit unter den Menschen muslimischen Glaubens, 6 Prozent sind Schiiten. Hinzu kommen 9 Prozent Aleviten, die als einzige muslimische Gemeinschaft die Anerkennung als Religionsgemeinschaft besitzen. Für sie wird in NRW seit 2008 bekenntnisorientierter Religionsunterricht erteilt.

(DDP)