NRW: Freunde fürs Leben - Leser erzählen von lebenslangen Beziehungen

RP-Leseraktion : Menschen aus NRW erzählen von ihren Freundschaften fürs Leben

Männerfreundschaften halten oft über Jahrzehnte. Leser haben uns ihre schönsten Freundschaftsgeschichten erzählt. Eine Auswahl.

Joachim Behm, Willich

Der Montagabend ist fest reserviert für alte Freunde und gute Rockmusik: Jede Woche fahre ich von Willich in den Kölner Raum, um dort mit meinen Freunden Adrian Skiba und Guido Pracht (beide 53) im Musikkeller von Wolfgang Stegemann (53) zu proben. Uns vier verbindet eine 40-jährige Freundschaft, auch wenn wir weit verstreut im Rheinland wohnen. Die Musik hält uns zusammen.

Heute sind sie noch als Coverband unterwegs, mit weiblicher Unterstützung. Foto: Behm

Die Wurzeln unserer Männerfreundschaft liegen allerdings im Münsterland: Als Teenager haben sich die meisten von uns auf der Albert-Schweitzer-Realschule in Bocholt kennengelernt. Wir saßen in der Schule nebeneinander, hatten sofort die gleiche Wellenlänge und haben irgendwann die gesamte Freizeit miteinander verbracht. Da lag die Idee nahe, zusammen Musik zu machen  – damals Anfang der 80er noch Deutschrock mit eigenen Texten.

1986 gingen wir als Band auseinander. Studium oder Ausbildung verschlugen uns in alle Himmelsrichtungen – zeitweise bis nach Neuseeland. Der Kontakt riss aber nie ab, wir sahen uns regelmäßig auch im großen Kreis mit Ehefrauen und Kindern. Seit fünf Jahren treten vier von uns  wieder zusammen als Cover-Rockband  „Alltag“ auf. Unser Keyboarder Martin Haltermann ist nicht mehr dabei, für ihn ist die Anreise aus dem westfälischen Neubeckum dann doch zu weit. Dafür unterstützt uns Sängerin Malika.

Trotz der oft großen Entfernungen und der unterschiedlichen Lebenswege sind wir uns nie fremd geworden. „Wir sind im gleichen Alter und machen nahezu parallel die gleichen Höhen und Tiefen durch – das schweißt noch enger zusammen.

Götz Wenmakers, Düsseldorf

Mein Freund Jens und ich haben uns im Kindergarten an der Weselerstraße in Düsseldorf  bei Tante Martha kennengelernt, angefreundet und seitdem nicht mehr aus den Augen verloren. Wir sind zusammen in die Grundschule und aufs Gymnasium gegangen. Oft stand unter den Klassenarbeiten von Jens „siehe Wenmakers“ und umgekehrt. Aber wir mussten uns ja gegenseitig helfen!

In der Schule saßen sie beisammen und schrieben voneinander ab. Foto: Wenmakers
Jens Nielsen und Götz Wenmakers gründeten auch mal eine WG. Foto: Wenmakers

Nach der Schulzeit haben wir unterschiedliche berufliche Wege eingeschlagen, uns aber trotz aller Distanzen (bis zu 13.000 Kilometer) nie aus den Augen verloren. Als uns beiden das Kapitel Scheidung widerfuhr, haben wir uns der alten Zeiten besonnen und eine zehn Jahre währende Männer-WG ins Leben gerufen. Das war mit die beste Zeit unserer Freundschaft und wurde von unseren Kindern und Freunden bewundert. Unterschiedlicher im Charakter kann man nicht sein, doch das Geheimnis unserer Freundschaft ist Toleranz, Offenheit, Vertrauen, Liebe und der Spaß am Leben. Dieses Motto wird uns immer leiten.

Peter F. Becker, Kaarst

Angefangen hat alles am Achensee in Tirol, wo ich mit einem Berufskollegen im Karwendel unterwegs war. Wir beschlossen, im nächsten Jahr in die Dolomiten „auszuwandern“. „Da bringe ich meinen Schwager Helmut mit, er ist ein Bergfex“, sagte mein Kollege. Daraus wurden dann 40 Jahre Dolomiten und eine enge Freundschaft zwischen Helmut und mir. Sie entstand in der Mitte unseres Lebens – ich war bereits 42 Jahre alt, er acht Jahre älter (heute bin ich 83, er ist vor einem halben Jahr gestorben). Wir lebten weit voneinander getrennt, er in Wetzlar, ich in Kaarst, und wir haben uns höchsten drei- bis viermal im Jahr gesehen. Unsere gemeinsame Leidenschaft, das Bergsteigen, hat uns immer wieder zusammengeführt. Wir sind beide gerne mit unseren Söhnen in den Bergen  unterwegs gewesen, beide sind mit nicht einmal 40 Jahren gestorben.

Peter F. Becker und Helmut Neul wanderten gemeinsam. Foto: Becker

Vielleicht war unsere Freundschaft ansteckend, denn im Laufe der Jahre wurde die Dolomitentruppe immer größer, es kamen ein Sportartikel-Geschäftsführer aus Neuss, ein Informatik-Professor aus Hannover (mit Ehefrau), ein LVA-Direktor aus Düsseldorf (auch mit Ehefrau), ein Unternehmensberater aus Büttgen, ein Angestellter aus Kassel und ein Schützenbruder aus Kaarst dazu. „Bergvagabunden um eine Männerfreundschaft“, so nannte es einer. Wir sind übrigens jedes Jahr mit einem eigens dafür gefertigten T-Shirt losgezogen.

Helmut Fürstenau, Radevormwald

Am Anfang der 9. Klasse meiner Realschulzeit kam ein Neuer: Karl, eher ein stiller, zurückhaltender Typ. Wir wurden ein tolles Team, trafen uns, lernten mit- und voneinander. Die Chemie stimmte, trotz oder wegen unserer Unterschiede. Später waren wir uns einig: Wir gingen gemeinsam zur Fachoberschule für Elektrotechnik. Dann orientierten wir uns neu, entschieden uns für ein pädagogisch/theologisches Studium. Davor musste noch Zivildienst geleistet werden. Natürlich arbeiteten wir als Team in einem Alten- und Pflegeheim. Nach dem Studium gingen wir getrennte Wege – aber das war nicht das Ende unserer Freundschaft. Mal war Karl für mich, mal ich für meinen Kumpel der therapeutische Begleiter. Wir können bis heute herzhaft miteinander lachen und – wenn nötig – weinen. Heute sind wir in der Rente angekommen, 50 Jahre Freundschaft sind noch sehr lebendig. Wir mögen und schätzen uns, reden miteinander, das tut einfach gut!

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