NRW: Fall Bergisch Gladbach Täter sollen Missbrauch live übertragen haben

Pädokriminellen-Netzwerk in NRW : Täter sollen Kindesmissbrauch live übertragen haben

Die Ermittlungen im Missbrauchsfall, der in Bergisch Gladbach seinen Anfang nahm, weiten sich aus: Die Zahl der identifizierten Opfer ist auf bundesweit 36 gestiegen. Einem Medienbericht zufolge sollen einige der Täter zudem Kinder vor den Augen von Chatteilnehmern missbraucht haben.

Das erfuhr der Kölner Stadt-Anzeiger (Donnerstagsausgabe) aus Sicherheitskreisen. Die Kölner Staatsanwaltschaft wollte sich am Mittwochabend nicht dazu äußern.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass die Zahl der identifizierten Opfer in dem Fall inzwischen auf bundesweit 36 gestiegen ist. Gegen 51 Tatverdächtige in zwölf Bundesländern werde ermittelt, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf.

„Und das ist nicht das Ende“, betonte der Minister. Er rechne fest mit dem Bekanntwerden weiterer Täter und Opfer. „Wir sehen immer noch nur die Spitze des Eisberges.“ Mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ seien durch die Arbeit der Polizei weitere Taten verhindert worden. Kindesmissbrauch sei ein Massenphänomen, bei dem in der Vergangenheit zu oft weggeschaut worden sei.

In NRW gibt es nach jüngsten Angaben der Polizei Köln in der Sache derzeit 21 Beschuldigte, von denen acht in Haft sind. Mutmaßliche Tatorte sind Bergisch Gladbach, Viersen, Krefeld, Dortmund, Aachen, Alsdorf, Kamp-Lintfort und Duisburg.

Einen strafrechtlichen Zusammenhang zwischen den Taten von Bergisch Gladbach und Lügde im Kreis Lippe sehe auch er nicht, sagte Reul. Es gebe verwandtschaftliche Verknüpfungen. Die Polizei in Bielefeld sei diesen Verbindungen bereits seit Anfang Dezember mit einer eigenen Gruppe nachgegangen und ermittele weiter mit Hochdruck. Auf einem Campinglatz in Lügde in Ostwestfalen hatten zwei Männer über Jahre mehrere Kinder sexuell missbraucht.

Die Ermittlungen wegen massenhaften Missbrauchs von Kindern durch Mitglieder eines Chat-Netzwerkes hatten im Oktober mit der Festnahme eines Verdächtigen in Bergisch Gladbach ihren Anfang genommen.

Am Donnerstag wird sich der nordrhein-westfälische Landtag mit dem Thema befassen. Die SPD-Fraktion hat im Familienausschuss eine dringliche Anfrage gestellt, die Grünen im Innenausschuss.

(mba/kess/dpa)