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NRW: Escape-Room-Sicherheit nach tödlichem Unglück in Polen

Nach Tod von fünf Mädchen in Polen

Wie sicher sind die Escape Rooms in NRW?

Spieler rätseln in einem Escape Room in Düsseldorf (Archivfoto). FOTO: Endermann, Andreas (end)

Düsseldorf Escape Rooms sind in NRW im Trend. Seit dem Tod von fünf Jugendlichen in Polen wird aber auch die Sicherheit in den Räumen hinterfragt. Escape-Room-Betreiber beruhigen Kunden und verweisen auf die strengen deutschen Sicherheitsregeln.

Nach dem tödlichen Unglück in einem Escape Room in Polen wird in Nordrhein-Westfalen verstärkt über die Sicherheit solcher Räume diskutiert. Am Freitag waren in der polnischen Stadt Koszalin fünf 15-jährige Mädchen ums Leben gekommen. Sie waren in einem Escape Room eingeschlossen, als im Nebenraum ein Brand ausbrach. Die Jugendlichen starben an Kohlenmonoxid-Vergiftungen.

Bei Escape Games lassen sich Spieler in einen Raum einschließen. Dort müssen sie Aufgaben und Rätsel lösen, um wieder hinaus zu kommen. Dabei überwacht ein Spielleiter in der Nähe auf einem Monitor das Spielgeschehen und kann bei Bedarf Hinweise zu Rätseln geben.

„Bei uns könnte sich so eine Tragödie gar nicht ereignen“, sagt Dominic Stalberg, Inhaber des Escape Rooms „Sperrstunde“ in Duisburg. „Wir machen die Türen zwar zu, aber schließen sie nicht ab.“ Außerdem gebe es in jedem Raum einen Notausgang sowie Feuerlöscher und Brandmelder. Diese müssten auch regelmäßig gewartet werden. „Anders als in Polen sitzt bei uns auch der Spielleiter direkt im Nebenraum und kann im Notfall eingreifen“, erklärt er. Seit dem Unglück werde bei der Einweisung aber teilweise verstärkt nach Sicherheitsvorkehrungen gefragt, vor allem von Eltern.

„Die Brandschutzbestimmungen in Deutschland sind deutlich strenger als in Polen“, sagt Dirk Podubrin von Live Escape Deutschland, dem nach eigenen Angaben größten Online-Verzeichnis für Escape Rooms. „Es ist notwendig, einen Bauantrag einzureichen sowie ein Brandschutz-Gutachten durchzuführen und dem jeweiligen Bauamt vorzulegen.“ Grundsätzlich sei jede Escape-Game-Betriebsstätte in Deutschland genehmigungspflichtig, teilt der Fachverband „Live Escape & Adventure Games“ (LEAG) mit. „Der Kunde darf in keinem Moment in Gefahr sein. Er ist zu jedem Zeitpunkt Herr über die Situation und kann das Spiel über den Notausgang oder Notknopf verlassen“, sagt Podubrin.

Die Brandursache in Polen war der Staatsanwaltschaft zufolge wahrscheinlich ein Leck an einer Gasflasche in einer Heizung. Nach Feuerwehr-Angaben wurden zahlreiche Mängel festgestellt: Heizgeräte hätten zu nahe an brennbaren Materialien gestanden, es seien Kerzen gefunden worden und die Elektroinstallation sei provisorisch gewesen. Kein Einzelfall in Polen: Aufgrund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen wurden nach der Tragödie mehrere Escape Rooms geschlossen.

„In Polen wurde extrem fahrlässig gehandelt und sämtliche Sicherheitsmaßnahmen ignoriert“, kritisiert Alexander Fengler, Mitinhaber des Düsseldorfer Escape Rooms „Quexit“. „Bei uns wird niemand gefesselt und es gibt keine brennenden Kerzen.“ In jedem Raum gebe es einen Notfallknopf, und die Spielleiter seien geschult in Erster Hilfe und Brandschutz. „Sicherheit geht vor“, schrieben die Betreiber des Bochumer Escape Rooms „Locked“ auf ihrer Facebook-Seite. „Wir wünschen eine Überprüfung aller Escape Rooms in Deutschland.“ Besucher solle der Vorfall jedoch nicht abschrecken, sondern für das Thema Brandschutz sensibilisieren. „Fragt nach, wenn ihr unsicher seid, wie ihr im Notfall jederzeit rauskommen könnt“, rät das „Locked“-Team.

In Deutschland gibt es nach Angaben von Live Escape Deutschland fast 600 Escape Rooms - davon 139 in NRW. Die tatsächliche Anzahl liegt sogar noch darüber, denn nicht alle Anbieter sind bei Live Escape gelistet. Meist bietet ein Veranstalter mehrere Räume mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden an. Etwa für Geburtstage und Junggesellenabschiede stehen Escape Rooms im Trend. Das Angebot wächst ständig: Mittlerweile gibt es sogar spezielle Räume für Fans von „Harry Potter“, „Herr der Ringe“ oder „Die drei ???“.

Die polnische Staatsanwaltschaft leitete am Sonntag ein Ermittlungsverfahren gegen den Designer des Escape Rooms in Koszalin ein. Ihm wird unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen dem Mann acht Jahre Haft.