NRW: Einbruchsradar erfüllt Erwartungen nicht

Nordrhein-Westfalen : Einbruchsradar erfüllt Erwartungen nicht

Seit einem Jahr können die Bürger im Internet nachschauen, wo in der Nachbarschaft am häufigsten eingebrochen wird. Das soll die Aufmerksamkeit erhöhen. Trotzdem ist in fast jedem dritten Polizeibezirk die Aufklärungsquote gesunken.

Die Idee ist einfach. Eine Karte auf der Internetseite der NRW-Polizei zeigt, wo in der Nachbarschaft eingebrochen wird. Wer dies genau verfolgt, der wird auch eher auf Verdächtiges im eigenen Viertel aufmerksam, so die Überlegung. Und der greift dann auch schneller zum Telefon und alarmiert die Polizei, wenn ihm etwas merkwürdig erscheint. Die Beamten rücken an und erwischen den Einbrecher auf frischer Tat.

So kann der Einbruchsradar aus Sicht der Polizei im Idealfall funktionieren.

Im April 2016 führte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) das neue Instrument ein, das dazu beitragen soll, die Zahl der Wohnungseinbrüche spürbar zu senken. Ein Jahr später ist die Einbruchsbilanz jedoch durchwachsen, wie Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigen, die unserer Redaktion vorliegen.

Landesweit ging die Zahl der Einbrüche im vergangenen Jahr zwar um 15,7 Prozent zurück, und die Aufklärungsquote legte leicht um 2,32 Prozentpunkte auf 16,15 Prozent zu. Doch ein Blick auf die 47 Polizeibezirke des Landes zeigt, dass in beinahe jedem dritten Bezirk die Aufklärungsquote sank.

"Der Einbruchsradar ist eine sinnvolle Ergänzung zum vielfältigen Präventionsangebot der NRW-Polizei", verteidigte das Landesinnenministerium sein Konzept. Er sei nur eine Maßnahme unter mehreren. Der Radar habe auch schon zu wertvollen Hinweisen auf Tatverdächtige geführt. Um die Aufklärungsquote weiter zu verbessern, stelle die Landesregierung 2017 für DNA-Spuren mit 4,75 Millionen Euro mehr Geld zur Verfügung — 500.000 Euro mehr.

Doch auch die absolute Zahl der Einbrüche stieg in manchen Regionen stark an. Im Bezirk Borken etwa um 38,5 Prozent, in Höxter um 40,2 Prozent. "Eine Erklärung für den Anstieg ist sehr schwierig", teilte ein Sprecher in Höxter mit. Insgesamt sei aber festzuhalten, dass dort das Problem geringer sei als in den Ballungsräumen.

Auch Wesel zählt zu den Bezirken, in denen die Aufklärungsquote 2016 rückläufig war. "Wir sehen keine großen Erfolge durch den Einbruchsradar", sagte eine Polizei-Sprecherin in Wesel. Das Instrument habe nicht gefördert, dass die Menschen sich häufiger bei der Polizei meldeten. Eine Ursache dafür, dass in Wesel weniger Fälle aufgeklärt wurden, könnten mehr Serieneinbrüche im Vorjahr gewesen sein, also mehr Einbrüche pro Täter.

Krefeld hingegen konnte seine Aufklärungsquote steigern, und zwar um 9,22 Prozentpunkte. Grund für den Erfolg seien vor allem intensive Ermittlungen der speziellen "Einsatzgruppe Dämmerung", die sich ausschließlich um Wohnungseinbrüche kümmere. Zudem habe die Krefelder Polizei den vorbeugenden Einbruchsschutz zum Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht.

Diese Erfahrungen decken sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. "Am effektivsten gegen Einbrecher ist die Sicherung von Fenstern, Haus- und Verandatüren", sagte Christian Pfeiffer, ehemaliger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Den Einbruchsradar sieht er kritisch: "Die Zahlen wecken Zweifel daran, ob das Interesse der Bürger, sich aktiv als Partner der Polizei einzubringen, tatsächlich vorhanden ist." Aus seiner Sicht muss vor allem personell aufgestockt werden. "Es ist ein Trauerspiel, dass sich die Polizei mit härteren Strafen begnügt. Das allein ist wirkungslos."

Zum Beleg hat der Kriminologe ein historisches Beispiel parat. Im 19. Jahrhundert war es, da drohte Taschendieben die Todesstrafe. Die Hinrichtungen fanden öffentlich statt. Und während die Menschen gafften, kam es in der dicht gedrängten Menge zu mehr Taschendiebstählen denn je.

(kib)
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