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NRW: "Corona-Abitur" besorgt Schüler - Prüfungsthemen sollten gestrichen werden

Forderung nach Klarheit : „Corona-Abitur“ besorgt NRW-Schüler – Prüfungsthemen sollen gestrichen werden

Vertreter von Schülern, Lehrern, Eltern und Opposition fordern von der NRW-Landesregierung Klarheit über Leistungsanforderungen im Corona-Jahr.

Das Abitur müsse angepasst werden, sagte Sophie Halley von der Landesschülervertretung am Mittwoch in Düsseldorf. „Es ist absolut nicht mehr realistisch, dass der Lehrplan in irgendeiner Weise eingehalten werden kann.“ Dies erzeuge bei den Oberstufenschülern „den größten Druck“.

Auch Vertreter von SPD, Grünen, Lehrergewerkschaften und Elternvereinen, die sich am Dienstagabend bei einem „Schul-Gipfel“ ausgetauscht hatten, unterstützten die Forderung. Der Aufgaben-Pool für zentrale Prüfungen müsse mindestens erweitert werden, damit Lehrkräfte Themen aussieben könnten, die coronabedingt gar nicht im Unterricht behandelt werden konnten.

„Wir brauchen einen besonderen Rechtsrahmen für dieses Schuljahr“, unterstrich die Schulexpertin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer. „Im Augenblick schwimmen alle.“ Die Landesregierung müsse sich endlich für eine bundesweite Verständigung stark machen, forderte SPD-Fraktionsvize Jochen Ott. „Es ist wie immer im Beamten-Mikado: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.“ Alle hätten Angst, dafür verantwortlich gemacht zu werden, das Abitur-Niveau abzusenken.

Auch der Vorsitzende der Schulleitervereinigung NRW, Harald Willert, forderte einen einheitlichen Rechtsrahmen, um angemessen auf die Pandemie reagieren zu können. Normalität gebe es schon lange nicht mehr, stellte er fest. „Heute würde jede Nichtversetzung von jedem Verwaltungsgericht sofort aufgehoben werden, falls die Eltern das wollen.“ Die üblichen Bildungsvoraussetzungen seien nicht mehr gegeben. Niemand könne erwarten, dass die regulären Lehrinhalte unter diesen Bedingungen alle abgearbeitet werden könnten.

SPD und Grüne fordern von der schwarz-gelb geführten Landesregierung Nordrhein-Westfalens mit Nachdruck flexiblere Lösungen für den Umgang mit der Corona-Pandemie an Schulen. Es sei „kurz vor zwölf“, wenn man komplette Schulschließungen vermeiden wolle, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty am Mittwoch in Düsseldorf. Ein Fünftel der Klassen in NRW habe bereits keinen Regelunterricht mehr. „Jetzt ist noch Zeit zum Handeln“, sagte Grünen-Fraktionschefin Josephine Paul.

Nach Zahlen des Landes steigt die Zahl der Lehrer und Schüler, die coronabedingt nicht zur Schule gehen, weiter an. Demnach befanden sich zum Stichtag 11. November landesweit annähernd 74.000 Schüler in Quarantäne. Das sind 3,6 Prozent aller Schüler und knapp 50 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Bei den Lehrern stieg die Zahl im gleichen Zeitraum um 1200 auf rund 4700. Das entspricht einem Anteil von drei Prozent aller Pädagogen.

(mba/dpa/epd)