NRW-Bauern setzen Wildretter zur Rettung von Kitzen ein

Landwirtschaft : Wildretter schützt Rehkitze vor dem Mähtod

Jedes Jahr werden bei der Ernte von Gras und Roggen im April und Mai tausende Rehkitze und andere Tiere von den Messern der Mähmaschinen getötet oder verletzt. Das wollen auch die Landwirte nicht – und setzen unter anderem auf Wildretter.

Noch zwei Wochen, dann beginnt Landwirt Christian Felbeck in Hückeswagen mit dem Mähen seiner Wiesen. Rund 30 Hektar sind es, das Gras braucht er als Futter für seine 45 Milchkühe. Doch die schweren Mähmaschinen sind gefährlich für viele Wildtiere. Vor allem Rehkitze verstecken sich zur Erntezeit im hohen Gras, während die Ricken Futter suchen. Aber auch Junghasen und Bodenbrüter wie Kibitze oder Uferschnepfen suchen Schutz im hohen Gras.

Jedes Frühjahr sterben viele Jungtiere, weil sie von den Mähmaschinen erfasst werden. Nicht alle sind sofort tot, wenn sie in die Messer der Maschinen geraten, und verenden qualvoll. Die Deutsche Wildtier Stiftung geht von Schätzungen aus, nach denen jedes Frühjahr mehr als 90.000 Kitze auf diese Weise sterben.

Landwirt Christian Felbeck aus Hückeswagen. Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Landwirt Felbeck nutzt seit vier Jahren einen so genannten Wildretter, um zu vermeiden, dass er beim Mähen Tiere tötet. „Ich hab schon viele Methoden ausprobiert und muss sagen: Das funktioniert gut“, sagt der 38-Jährige. Der Wildretter ist ein Alarmgerät, das die Tiere beim Grasschneiden aufscheucht. Es wird vorn am Trecker befestigt und sendet einen durchdringenden Alarmton, der über fünf Hektar weit zu hören ist. „Ich kann von der Maschine aus sehen, wie Rehe und Hasen flüchten“, sagt Felbeck. „Den kleinen Hasen will ja auch keiner die Löffel abschneiden.“

Andrea Hornfischer vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband (RLV) sagt: „Viele Landwirte im Rheinland arbeiten inzwischen mit den Alarmgeräten und helfen damit, Wildtiere zu schützen.“ Gerettet würden durch das Alarmgerät fast alle Hasen und Kaninchen ab einem Alter von drei Monaten, erwachsene Fasane, Rehkitze ab dem Alter von etwa drei Wochen und jedes erwachsene Wild.

Eigentlich sind die Kitze im hohen Gras gut vor Feinden geschützt. Foto: August Böhling

Ist ein Kitz noch sehr klein, kann es aber noch nicht richtig laufen, ihm fehlt außerdem der natürliche Fluchtinstinkt und es duckt sich bei Gefahr nur noch tiefer ins Gras, wie Landwirt Felbeck sagt. „Deshalb suche ich auch nach wie vor die Weiden mit einem Jäger ab, bevor ich mähe.“ Entdecken sie ein Kitz, hebt der Jäger es mit Lederhandschuhen auf. „Wir setzen es dann in eine Kunststoffbox, bis ich gemäht habe, dann lass ich es an der Wiese frei, damit die Mutter es wieder findet.“

Abgesehen davon, dass ein schwer verletztes Rehkitz ein „Anblick ist, den kein Landwirt möchte“, wie Andrea Hornfischer vom RLV sagt, haben die Bauern auch ein Eigeninteresse daran, kein Tier beim Mähen zu töten. Ist ein totes Tier im Heu, kann das zu Botulismus bei den Kühen führen, einer Fleischvergiftung. Einige Landwirte setzen auch Drohnen ein, die mithilfe von Wärmebildkameras Rehkitze im Gras aufspüren. Der RLV bietet eine Anleitung des Landesjagdverbands NRW an, mit der Landwirte sich einen Wildretter selbst bauen können. Sie ist hier zu finden. Landwirt Felbeck sagt: „Einen hundertprozentigen Schutz bietet das Warngerät sicher nicht, aber es ist effektiv und ich würde nach meiner Erfahrung sagen, dass bestimmt 90 Prozent der Tiere dadurch aufgescheucht werden und sich in Sicherheit bringen können.“

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