NRW: Bauern rüsten sich für Dürre-Sommer

Nach Warnungen des Wetterdienstes : Bauern rüsten sich für neuen Dürre-Sommer

Die Trockenheit des vergangenen Sommers hat ihre Spuren hinterlassen: Die Wasservorräte in den Böden gehen zur Neige. Landwirte bangen um ihre Ernte.

Deutschland könnte ein weiterer Dürresommer drohen. Laut dem Deutschen Wetterdienst sind die Böden nicht nur deutlich trockener als in den vergangenen Jahren. „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden“, sagte der Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch. Eines der Hauptprobleme: In vielen Regionen konnte der fehlende Regen aus dem Jahr 2018 nicht aufgeholt werden. Die Folge seien leere Wasserspeicher in den tieferen Bodenschichten.

Die Niederschläge der nächsten Tage seien mancherorts wieder nur der Tropfen auf dem heißen Stein, hieß es vom DWD. Besonders betroffen seien Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Aber auch in Nordrhein-Westfalen macht sich der Mangel bemerkbar. Der Acker von Landwirt Erich Gussen aus Düren ist staubtrocken. „Die Samen liegen zwar im feuchten Boden, aber oben drauf ist die Erde völlig hart“, sagt Gussen. „Momentan ziehen die Pflanzen das Wasser und die Nährstoffe aus den oberen Bodenschichten“, sagt auch Gussen.

Er hat die Niederschlagsmengen aufgezeichnet. „Von November bis April hat es bei uns etwa 280 bis 290 Liter pro Quadratmeter geregnet.“ Das sei nicht besonders viel, aber normalerweise auch kein Grund zur Sorge. Aber so reiche die Niederschlagsmenge nicht einmal aus, um das Defizit auszugleichen: Das liegt bei 300 Litern pro Quadratmeter. Gussen macht sich Gedanken, wie er sich künftig auf  Extremwitterungen einstellen kann: „Langfristig müsste man überlegen, andere Kulturen zu pflanzen, die weniger Wasser brauchen und früher geerntet werden können. Viele Kollegen bauen nun Dinkel an“, erzählt er. Ansonsten gebe es auch die Überlegung, Pflanzen künstlich zu bewässern.

Die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes vor einem weiteren Dürresommer sorgen nach den Worten von Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied auch unter den anderen Landwirten für Nervosität. Der Verbandschef betonte, dass sich die Bauern seit geraumer Zeit auf den Klimawandel eingestellt hätten. „Wir  haben uns in einer eigenen Klimastrategie selbst Emissionsreduktionsziele gesetzt.“ Man setze auch auf wassersparende Anbauverfahren oder auf Fruchtfolgen und Zwischenfrüchte. „Benötigt werden aber auch neue Züchtungsmethoden, um trockenheits- und hitzetolerante Pflanzensorten zügiger zu erhalten.“

Bei Obstanbauer Roland Schmitz-Hübsch laufen die Bewässerungsanlagen schon seit Tagen: „Dass wir so früh anfangen, ist ungewöhnlich“, sagt er. Das vergangene Jahr hat in seinem Betrieb Spuren hinterlassen: Durch die hohen Bewässerungskosten und den Ausfall sei ein Verlust im hohen fünfstelligen Bereich entstanden.

Wolfgang Wappenschmidt ist der Vorsitzender der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach. „Das Netz an Brunnen, aus denen Landwirte ihre Kulturen beregnen können, ist in unserer Region relativ dicht“, sagt er. Viele Kollegen hätten Genehmigungen für weitere Brunnen beantragt. „Aber Beregnung sollte bei Trockenheit eigentlich immer nur eine Übergangslösung sein. Auf Dauer kann man nicht gegen die Natur anregnen“, sagt Wappenschmidt.

Von der Dürre waren im vergangenen Jahr auch die Viehbauern betroffen: Ernteausfälle und vertrocknetes Gras ließen das Futter knapp werden. So auch bei Sebastian Bützler aus Bad Münstereifel, der 200 Milchkühe hat. Gefüttert werden sie mit Grassilage und Mais aus eigenem Anbau. „Wir mussten so viel wie nie dazu kaufen“, erzählt er. Normalerweise behält er einen Schnitt Gras als Reserve. Da der Vorrat aufgebraucht ist, hat er Mais dazugekauft. „Wenn es nun wieder wenig regnet, wäre er natürlich auch verloren“, sagt er. Die Landwirte hoffen nun auf einen feuchten und kühlen Mai. „Zwei Dürreperioden hintereinander sind fatal“, sagt Bützler.

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