NRW: BAföG-Anträge stellt nicht einmal jeder fünfte Student

Studium in NRW : Nicht einmal jeder fünfte Student stellt einen BAföG-Antrag

Die gute Nachricht: Die Studierendenzahlen in NRW steigen seit Jahren. Die schlechte: Viele Kinder aus einkommensschwachen Familien empfinden die Hürden zu Universitäten zunehmend als unüberwindbar.

Die Chancen auf BAföG, auf eine preiswerte Studentenwohnung oder auf einen Kita-Platz in Campus-Nähe sind in NRW alles andere als rosig. Die Studenten kämpfen seit Jahren mit denselben Problemen. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Studierendenwerke NRW, Jörg Lüken, kommt zu einer alarmierenden Analyse: Mit dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) läuft etwas grundsätzlich schief.

Der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf liegen wesentliche Auszüge aus der aktuellen Jahresbilanz 2017 vor, die voraussichtlich Ende September komplett veröffentlicht wird.

  • BAföG: „Wenn nicht einmal zwei von zehn Studierenden einen BAföG-Antrag stellen, läuft etwas Grundsätzliches falsch“, sagt Lüken. „Die Fördersätze sind zu gering, das Verfahren ist unnötig kompliziert und die Angst vor Verschuldung bei den Studierenden sehr groß.“ Einkommensschwache seien aber auf die staatliche Förderung angewiesen. „Die Politik muss den Studierenden den Zugang zum BAföG erleichtern, das Verfahren vereinfachen und die Förderung erhöhen.“
  • Zahlen: In NRW stellten 2017 etwa 112.400 Studenten einen BAföG-Antrag - weniger als jeder fünfte. Tatsächlich gefördert wurden rund 85.240 - jeder siebte Student. Laut kürzlich veröffentlichter Zahlen des Statistischen Landesamts ist die Zahl der BAföG-Empfänger in NRW seit Jahren rückläufig. „Damit bestätigt sich auch in NRW der bundesweite Trend des rückläufigen BAföGs“, stellen die Studierendenwerke fest. Der durchschnittliche Fördersatz lag in NRW bei rund 500 Euro monatlich.
  • Wohnheime: Günstige Studentenwohnungen bleiben Mangelware. Ende 2017 unterhielten die Studierendenwerke mehr als 38.400 Wohnheimplätze. Die Durchschnittswarmmiete lag bei 258 Euro und damit vielerorts deutlich günstiger als auf dem privaten Wohnungsmarkt. Allerdings betrug die Auslastungsquote mindestens 98 Prozent. Die Erfolgsquote bei der Bewerbung auf einen der heiß begehrten Plätze liegt nur bei etwa 30 Prozent.
  • Verschleiß: Beim Ausbau des Studienplatzangebots in den vergangenen Jahren sei hochschulnaher Wohnraum nicht ausreichend mitbedacht worden, kritisiert Lüken. „Gleichzeitig wurde die Infrastruktur auf Verschleiß gefahren.“ Das Ergebnis: Der Sanierungsbedarf beläuft sich auf mehr als 350 Millionen Euro landesweit. Der Gesamtinvestitionsbedarf für Sanierungen und Neubauten wurde für die Jahre 2017 bis 2020 auf über 570 Millionen Euro beziffert. Die Studierendenwerke decken die mehr als 118 Millionen Euro hohen Wohnheimkosten durch die Mieten.
  • Mensa: In den 183 Mensen der Studierendenwerke wurden knapp 100 Millionen Euro umgesetzt für günstige Mahlzeiten zu Durchschnittspreisen zwischen 1,60 und 3,30 Euro. In ihren Mensen und Cafeterien erzielen die Studierendenwerke ein Viertel ihrer gesamten Einnahmen.
  • Kinder: Studenten mit Nachwuchs erhalten inzwischen an 16 Hochschulstandorten in NRW Betreuungsangebote in 32 Kitas mit insgesamt mehr als 1600 Tagesplätzen in Campusnähe. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein kleines Plus von 3,7 Prozent.
  • Statistik: Die zwölf Studierendenwerke in NRW waren im Wintersemester 2017/18 an über 50 Hochschulstandorten für 607.065 Immatrikulierte zuständig - so viele wie nie zuvor. Einen wesentlichen Finanzierungsbeitrag zu den vielfältigen Leistungen erbringen die Studierenden mit ihren Sozialbeiträgen selbst - im Durchschnitt 87 Euro. 2017 waren das insgesamt knapp 99 Millionen Euro und damit ein Viertel der Gesamteinnahmen der Studierendenwerke.

(mba/dpa)