Niedrigwasser im Rhein lässt Benzinpreise 2018 steigen

Transportengpässe: Niedrigwasser lässt Benzinpreis steigen

Weil der Rhein so wenig Wasser führt, können Schiffe weniger Treibstoff transportieren. Tankstellen beklagen Lieferengpässe. Der Bund gibt einen Teil der strategischen Ölreserven frei.

Das Niedrigwasser im Rhein wirkt sich auch auf die Spritpreise aus. „Da derzeit nicht mehr so viel Treibstoff auf Schiffen transportiert werden kann, muss die Logistik umgestellt werden. Das erhöht die Preise“, sagte der Geschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands, Christoph Bender, unserer Redaktion.  Der ADAC spricht sogar von Rekordpreisen an den Zapfsäulen.

Betroffen sind nach Angaben des Bundesverbandes Freier Tankstellen (BFT) das Rheinland und Südwestdeutschland. „Dort hängen wir jetzt am Fliegenfänger“, sagte BFT-Geschäftsführer Stephan Zieger. „Der Schiffsverkehr ist in der Region nun mal das Rückgrat der Logistik, und die Raffinerien stehen vorrangig am Wasser“, erläuterte Zieger. Die Situation sei sehr angespannt, bestätigte Bender: „Der Transport von Treibstoff geht gerade deutlich zurück.“

Nach Angaben des Mineralölverbandes können Tankschiffe wegen der seit Wochen fallenden Pegel nur noch mit einem Drittel der gewöhnlichen Ladung befüllt werden. „Aus Sicherheitsgründen fahren Tanker den Rheinhafen unserer Raffinerie in Wesseling seit mehreren Tagen nicht mehr an; zudem hat auch der Godorfer Hafen den kritischen Pegelstand erreicht“, sagte eine Sprecherin des Mineralölkonzerns Shell. Angesichts des extremen Niedrigwassers habe Shell auch die Produktion in der Rheinland-Raffinerie den widrigen Umständen angepasst. Verschärft werde die Situation noch, weil es Engpässe im Schienenverkehr gebe und weil Tanklastwagen fehlten, sagte die Sprecherin.

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Durch das Transportproblem können viele Tankstellen nicht mehr regelmäßig mit Benzin und Diesel beliefert werden. So mussten bereits Tankstellen in Düsseldorf, Meerbusch und Grevenbroich vorübergehend ihre Zapfanlagen abstellen, weil ihnen der Treibstoff ausgegangen war. „Ich musste allein in der vergangenen Woche zweimal komplett schließen, weil ich nichts mehr bekommen habe“, sagte ein Düsseldorfer Pächter.  „Dadurch entstehen mir erhebliche Umsatzeinbußen, weil niemand ins Geschäft kommt, um irgendetwas zu kaufen.“ Aral ist es nach eigenen Angaben bisher gelungen, die Versorgung seiner Tank­anlagen aufrechtzuerhalten. „Ewig wird das aber auch bei uns nicht mehr gut gehen“, sagte ein Sprecher.

An den zentralen Versorgungspunkten, an denen Tanklastwagen mit Benzin und Diesel befüllt werden, müssen die Fahrer derzeit viel Geduld mitbringen. „Dort steht Lkw an Lkw in langen Warteschlangen. Es kann sechs Stunden und länger dauern, bis man dran ist“, sagte BFT-Geschäftsführer Zieger.

Wegen der niedrigen Pegelstände hat der Bund einen Teil der strategischen Ölreserven freigegeben. Dabei handle es sich um eine Menge an Benzin, Diesel und Kerosin, die 271.000 Tonnen Rohöl entspreche, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Mit dem Schritt sollen Engpässe in den an Rhein und Main gelegenen Bundesländern gemildert werden. Die Erlaubnis erstreckt sich zum Beispiel auf Vorratslager für Diesel und Benzin im Regierungsbezirk Köln sowie in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern.

(csh)
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