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Großer Ärztemangel befürchtet: Niederrhein: Jeder sechste Hausarzt geht

Großer Ärztemangel befürchtet : Niederrhein: Jeder sechste Hausarzt geht

Immer weniger Ärzte wollen sich in ländlichen Regionen niederlassen. In Deutschland werden nach Schätzungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung rund 20 Prozent der gegenwärtig 59000 Hausärzte in den nächsten fünf Jahren ihre Praxis aufgeben, in der Region Nordrhein sind es immerhin über 16 Prozent.

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe befürchtet einen gravierenden Ärztemangel - vor allem bei Allgemeinmedizinern. "Schon jetzt finden viele Hausärzte keinen Nachfolger", sagte der Vorsitzende der Bundesärztekammer unserer Zeitung. Die Situation werde sich noch verschärfen. In den kommenden zehn Jahren, so Hoppe, würden 30 bis 40 Prozent der hausärztlichen Kollegen in Nordrhein-Westfalen aus Altersgründen ihre Praxen schließen. "Wir müssen deshalb die Tätigkeit der Hausärzte gerade auf dem Land attraktiver machen", forderte der Ärztepräsident.

Wie ein solcher Mangel in der Praxis aussieht, zeigt das Beispiel des 36-jährigen Facharztes für Allgemeinmedizin, Arndt Berson. Der junge Mediziner betreibt seit fünf Jahren eine Gemeinschaftspraxis in Kempen. Weil ein älterer Kollege aus Kleve selbst nach anderthalb Jahren intensiver Suche keinen Nachfolger gefunden hatte, übernahm Berson für den symbolischen Preis von einem Euro dessen Hausarzt-Praxis.

"Wir haben dort eine Diabetes-Station eingerichtet und bekommen fast täglich neue Patienten", sagte der Arzt. Allerdings findet Berson keinen Nachwuchsmediziner für seine neue Zweigstelle. "Dabei liegt die Praxis in einer attraktiven Gegend in Kleve", meinte der Arzt.

Die vergebliche Suche ist nicht ungewöhnlich. Obwohl jährlich rund 9000 ausgebildete Humanmediziner die Universitäten verlassen, interessieren sich nur wenige für eine Tätigkeit auf dem Lande. "Die Ärzte zieht es in die großen Städte", meinte Berson. Allein im Kreis Kleve suchen 20 Hausärzte zum Teil schon über Jahre nach einem Nachfolger.

Die Ärztekammer Nordrhein sieht vor allem in der anstrengenden Tätigkeit der ländlichen Hausärzte den Grund für die einsetzende Landflucht. "Dabei verdienen die Landärzte nicht einmal schlecht", sagte ein Sprecher. Praktiker Berson bestätigt diese Einschätzung: "Über mangelnde Einnahmen kann ich mich nicht beklagen." Dafür stehen aber auch wöchentlich 30 bis 40 Hausbesuche an. Berson behandelt in drei Altenheimen über 100 Patienten.

Auch die Landesregierung reagiert auf den Ärztemangel. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat eine Initiative zur Förderung des Berufsbildes gestartet.