Forderung nach Gebetsräumen und Verschleierung Sorge vor wachsendem Islam-Einfluss an NRW-Schulen

Exklusiv | Düsseldorf · Muslimische Schüler tragen laut Lehrerverband VBE zunehmend konservative Islam-Werte in die Schulen. Das Präventionsprogramm „Wegweiser“ registriert eine erhöhte Nachfrage von Schulen nach Hilfsangeboten.

 Junge Muslime verhalten sich nach Einschätzung des Verbandes Bildung und Erziehung NRW zunehmend konservativ an den Schulen.

Junge Muslime verhalten sich nach Einschätzung des Verbandes Bildung und Erziehung NRW zunehmend konservativ an den Schulen.

Foto: dpa/Bernd Thissen

An weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen beobachten Lehrkräfte in Teilen der Schülerschaft eine fortschreitende erzkonservative Auslegung des Islams. „Wir erkennen aktuell einen deutlichen Trend unter den muslimischen Schülern, sich stärker religiös zu verhalten – auch was die Einhaltung religiöser Rituale und die Auslegung des Korans betrifft. Gerade aus gemäßigteren und liberalen muslimischen Familien werden die Kinder plötzlich konservativer“, sagt Klaus Köther, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in NRW.

Dieses Verhalten werde sichtbar durch das Tragen von Gebetsgewändern und äußere sich in Diskussionen in den Schulen und in Forderungen nach Gebetsräumen. „Da setzen sich Schüler in Fragen des Kopftuch-Tragens und der Fastenregel gegenseitig unter Druck. Letztlich geht es dabei auch um die Frage: Wer ist der bessere Moslem?“, erklärt Köther.

Wohin diese strikte Auslegung des Islams führen kann, zeigt sich jetzt Kostenpflichtiger Inhalt am Beispiel von vier Oberstufenschülern einer Gesamtschule im Rhein-Kreis Neuss, die sich nach Recherchen unserer Redaktion als „Scharia-Polizei“ aufführten und von Mitschülern und Lehrern die Einhaltung strikter islamischer Regeln einforderten – etwa Geschlechtertrennung und Verschleierung. „Es muss klargemacht werden, dass Schulen keine religiösen Einrichtungen sind und es klare Regeln an den Schulen hier in NRW gibt“, betont Köther. „Wir können nicht für jede einzelne Religion entsprechende Gebetsräume aufmachen. Religion ist natürlich wichtig an Schulen. Dafür gibt es den Religions- und Philosophieunterricht“, so Köther.

Innerhalb der Sicherheitsbehörden beobachtet man diese Entwicklung an Schulen mit zunehmender Sorge. „Solche Bestrebungen können auch im Extremismus münden“, heißt es aus informierten Kreisen. So wurde erst im Dezember in Burscheid ein 15-jähriger Gesamtschüler vorläufig festgenommen, weil er in Verdacht stand, einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Leverkusen zu verüben.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte unserer Redaktion: „Leider sehen wir in diesen Tagen, dass sich Teile unserer Gesellschaft einen islamistischen Gottesstaat herbeisehnen. Die Radikalisierung macht auch vor Kindern und Jugendlichen nicht Halt“, so Reul. „Eine große Gefahr birgt dabei das Internet, wo Kinder häufig viel Zeit verbringen.“ In den Sozialen Medien können Ideologien mit großer Reichweite ungefiltert und uneingeordnet verbreitet werden – der ideale Nährboden für Extremismus. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Jüngsten durch diese Propaganda in die Hände von extremistischen Gruppen gelangen. Wir müssen junge Menschen als Gesellschaft besser mitnehmen, mehr in den Austausch gehen und ihnen Alternativen aufzeigen“, so der NRW-Innenminister weiter.

Das Präventionsprojekt „Wegweiser“ des Landesinnenministeriums, das den Einstieg junger Menschen in den radikalen Islamismus verhindern möchte, stellte im vergangenen Jahr einen erhöhten Beratungsbedarf und ein erhöhtes Bedürfnis an Sensibilisierungen an Schulen fest. „Die Anfragen umfassen Einzelsachverhalte, allgemeine Anfragen zum Islamismus, Anfragen für Workshops für Lehrkräfte oder Schülerinnen und Schüler sowie zuletzt auch vermehrt Anfragen zu dem aktuellen Nahost-Konflikt“, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Demnach wurden allein im Jahr 2023 bis Ende September mehr als 1000 entsprechende Sensibilisierungsveranstaltungen von „Wegweiser“ durchgeführt.

Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, spricht von einer alarmierenden Entwicklung an den Schulen. „Dass Schüler jetzt zunehmend sehr konservative Ansichten des Islams in die Schulen tragen und diese Einstellungen auch ausleben, muss uns Sorgen machen“, sagt Rettinghaus. „Wo sind wir hingekommen, dass andere Schüler, die nicht nach dieser strengen Auslegung des Islams leben möchten, von den anderen unter Druck gesetzt, bedrängt und gemaßregelt werden? Diese Situation können wir unseren Kindern in den Schulen nicht zumuten und ist nicht hinnehmbar. Jeder sollte doch froh sein über die Freiheitsrechte, die wir hier in Deutschland haben“, betont er.

Beim NRW-Schulministerium kann man den beschriebenen Trend nicht bestätigen. „Gleichwohl ist ein vermehrtes Bedürfnis der Schulen nach Beratung, Workshops und Vorträgen festzustellen. Das zeigt, dass sich Schulen mit der Thematik aktiv auseinandersetzen“, hieß es aus dem Schulministerium, das ankündigte, weitere Entwicklungen aufmerksam zu beobachten.

(csh)
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