Waffen gefunden und Einbrecher erwischt: Neun Menschen bei Groß-Razzia in NRW festgenommen

Waffen gefunden und Einbrecher erwischt : Neun Menschen bei Groß-Razzia in NRW festgenommen

Seit den frühen Morgenstunden am Donnerstag führten insgesamt 13 Kreispolizeibehören in NRW eine Groß-Razzia durch: 2000 Polizisten sowie Hubschrauber waren vor allem ausländischen Einbrecherbanden auf der Spur. Drei scharfe Schusswaffen wurden gefunden, ein Einbrecher in flagranti erwischt.

Bis zum Nachmittag seien neun Menschen festgenommen worden, fünf davon mit Haftbefehlen wegen Einbruchs. Bei Durchsuchungen in Köln fanden die Ermittler Diebesgut, das Einbrüchen im Rhein-Sieg-Kreis und Niedersachsen zugeordnet werden konnte, teilte das Innenministerium mit. Innenminister Ralf Jäger reagierte mit der Suchaktion auf Einbrecherbanden auf die stark angestiegene Zahl der Wohnungseinbrüche. Hinter der Zunahme der Einbrüche werden organisierte Banden vermutet, die aus Osteuropa und den Beneluxländern einsickern.

"Durch großangelegte Verkehrs- und Personenkontrollen sowie Razzien in 18 Wohnungen und Häusern wollen die Ermittler wichtige Erkenntnisse über Personen, Strukturen und Reisewege der Einbrecherbanden erhalten", teilte NRW-Innenminister Ralf Jäger am Mittag mit. "Die Kriminalbeamten wissen, dass ein Großteil der Straftaten durch professionell agierende südosteuropäische Banden begangen wird. Sie kommen und flüchten nach den Einbrüchen über Autobahnen und Bundesstraßen."

Scharfe Waffen gefunden

In Köln wurden im Übergangswohnheim an der Vorgebirgstraße zwei Personen festgenommen. Sie hatten versucht, eine Tasche, in der sich Schusswaffen befanden, aus dem Fenster zu werfen. Die drei Schusswaffen waren scharf, teilte Einsatzleiter Peter Frauenkron mit. Erst am Mittwoch hatte es an der Vorgebirgstraße zwei Raubüberfälle gegeben. "Die Warscheinlichkeit ist hoch, dass es sich bei den vorläufig Festgenommenen um die Täter handelt", sagt Frauenkron.

Außerdem wurden dort vier Menschen in Gewahrsam genommen, um ihre Identität zu klären, sagte eine Sprecherin der Polizei Köln unserer Redaktion. In einem Übergangswohnheim für Flüchtlinge und Asylbewerber am Poller Holzweg sind weitere drei Personen in Polizeigewahrsam genommen worden.

Bis 16 Uhr kontrollierten 70 Polizeibeamte im Kreis Heinsberg insgesamt 38 Fahrzeuge und 45 Personen. Zwar konnten dabei keine Einbrecher auf frischer Tat erwischt werden, doch gelang es im Laufe des Tages zwei Personen vorläufig festzunehmen, die mit Haftbefehl gesucht wurden. Beide Männer sind der Polizei als Einbrecher bekannt.

Weiterhin informierten aufmerksame Bürger die Polizei über verdächtige Personen. Diesen Hinweisen wird nachgegangen. Auch konnten im Rahmen dieser Kontrollmaßnahmen eine Verkehrsunfallflucht geklärt und ein Autofahrer ohne Führerschein festgestellt werden.

Kontrollen in der Region

Schwerpunkt der Kontrollen auf der Autobahn war am Donnerstag die Raststätte Frechen-Süd an der A4. Die Autobahn gilt als Einfalltor für Täterbanden, die über die Niederlande und Belgien nach Deutschland einreisen. Die A4 und ihre Raststätten und Parkplätze hätten sich aus kriminalpolizeilicher Sicht als beliebter Umschlagplatz für Diebesgut und als Treffpunkte für Straftäter herauskristallisiert, sagte ein Polizeisprecher.

In Leverkusen erklärte die Polizei die Techniken der Einbrecher. Manche Passanten waren erstaunt, wie leicht sich eine Tür oder ein Fenster öffnen lässt. Die Beamten leisteten in der Innenstadt Aufklärungsarbeit. Viele Menschen glauben, dass die meisten Einbrecher nachts kommen, dabei ist die Hauptzeit für diese Taten zwischen 17 und 20 Uhr. Die Polizei ist bei Einbrüchen häufig machtlos, weswegen Vorsorgemaßnahmen besonders wichtig sind. Im Raum Köln wurden im vergangenen Jahr nur rund 14 Prozent der Einbrüche aufgeklärt.

In Düsseldorf waren seit 14 Uhr zwei Hundertschaften der Polizei im Einsatz. Im gesamten Stadtgebiet gab es 40 Kontrollstellen. Ein Mann, der mit Haftbefehl gesucht wurde, konnte von der Polizei festgenommen werden.

Auch in Radevormwald hatte sich die Polizei positioniert und winkte Autos und LKW raus. Sie untersuchten die Fahrzeuge auf Einbruchswerkzeug und Diebesgut.

Im nördlichen Teil des Rheinisch-Bergischen Kreises meldete die Polizei 40 Kontrollen bis zum Mittag. Eine Person sei vorläufig festgenommen worden "wegen des Verdachts auf illegalen Aufenthalt". Der Verdacht habe sich jedoch nicht erhärtet, teilte die Polizei mit.

In Rösrath hatten Zeugen der Polizei eine verdächtige Person gemeldet, die um ihr Grundstück herumschlich. Die Beamten konnten den Verdächtigen kurze Zeit später mit Einbruchswerkzeugen festnehmen. "Durch die Aktion soll das Sicherheitsgefühl der Leute gestärkt werden", betonte Polizeisprecherin Claudia Kammann.

In Mönchengladbach hat die Polizei 13 Objekte durchsucht, allerdings weder etwas gefunden noch jemanden festgenommen. Die Beamten haben zudem mehrere Verkehrskontrollstellen auf die Stadt verteilt.

Mit 100 Beamten machte die Polizei im Rhein-Kreis Neuss gegen Einbrecherbanden mobil. Im Mittelpunkt der Großaktion standen Verkehrskontrollen. Bei den Kontrollen suchte die Polizei gezielt nach Einbruchswerkzeug oder Beute.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis gab es zahlreiche Kontrollstellen, Autos und andere Fahrzeuge wurden herausgewunken. Auch im Oberbergischen Kreis hat es wechselnde Kontrollstellen gegeben.

Im Fokus stünden vor allem Übergangswohnheime und verdächtige Autos auf Rastplätzen, sagte eine Sprecherin der Kölner Polizei. Diese würden "auf den Kopf gestellt" und gründlich auf Diebesgut überprüft. Die Fallzahlen von Wohnungseinbrüchen befänden sich weiterhin auf hohem Niveau, so die Experten.

Polizei mit hohem Aufwand

Mit rund 2000 Beamten hatten nahezu zeitgleich in den Zuständigkeitsbereichen der Polizeipräsidien Aachen, Bonn, Düsseldorf, Mönchengladbach und Köln sowie in den Landratsbehören Rhein-Erft-Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Oberbergischer Kreis, Euskirchen, Heinsberg, Düren und Neuss konzentrierte Aktionen wie Durchsuchungen, Razzien sowie mobile und stationäre Verkehrskontrollen begonnen. Dabei wurden auch Hundertschaften und Polizeihubschrauber eingesetzt.

Die Razzia war ein gemeinsam abgestimmter Schwerpunkteinsatz zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchs unter dem Motto "Riegel vor im Rheinland", teilte die Polizei mit. Die Maßnahmen dauerten den gesamten Tag über an.

Die Polizeigewerkschaft NRW begrüßte die Aktion: "Das Konzept mit einem verbesserten Austausch und intensivierten Zusammenarbeit aller Polizeibehörden greift in NRW", sagte der Landesvorsitzende Erich Rettinghaus." Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass auch die Bundesregierung in der Pflicht ist und gegebenenfalls über eine Visumspflicht für gewisse Länder nachdenken muss. Personen die nur zur Begehung von Straftaten einreisen, haben hier erst gar nichts zu suchen", erklärte Rettinghaus.

Eine Gesamtbilanz der Groß-Razzia soll am Freitag vorgestellt werden.

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