Nahe Hambacher Forst: Polizei räumt Protest-Camp und Häuser

Einsatz am Hambacher Forst : Polizei räumt Häuser und Camp - Aktivisten sprechen von „Eskalation“

Die Polizei räumt ein Protestcamp von Braunkohlegegnern in der Nähe des Hambacher Forstes und holt Hausbesetzer aus mehreren Gebäuden. Das Bündnis „Ende Gelände“ macht den Beamten schwere Vorwürfe.

In Kerpen räumt die Polizei seit dem Morgen mehrere Häuser, die von Braunkohlegegnern besetzt worden sind. Die Aktivisten seien aufgefordert worden, die Gebäude zu verlassen, hätten darauf aber zunächst nicht reagiert, teilte die Polizei mit. Die Braunkohlegegner hätten mindestens drei leerstehende Einfamilienhäuer im Stadtteil Manheim besetzt. Eigentümer der Gebäude sei der Energiekonzern RWE. Das Unternehmen habe Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Die Polizei sei mit mehreren Hundertschaften vor Ort, sagte ein Sprecher unserer Redaktion. Unklar sei noch, wie viele Besetzer in den Häusern seien. Die Räumung verlaufe bisher friedlich.

Fotos zeigen Aktivisten, die sich auf Dächern von Häusern in Manheim befinden. Die Polizei forderte via Twitter dazu auf, die Dächer zu verlassen.

Das Dorf Manheim soll dem Tagebau weichen. Die Protestgruppe hatte ein beschriftetes Stofftuch an das Garagentor eines leerstehenden, gelb getünchten Hauses gehängt. „Manheim lebt. Hambi bleibt“, stand darauf. RWE hatte in einer Mitteilung von vier besetzten Häusern gesprochen.

Erst in der Nacht hatte die Polizei ein Protestcamp von Braunkohlegegnern in der Nähe des Hambacher Forstes auf einem ehemaligen Sportplatz im Kerpener Stadtteil Manheim geräumt. Rund ein Drittel der etwa 100 Aktivisten hätten das Lager vorher freiwillig verlassen, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen. Die anderen seien bei dem Einsatz am späten Mittwochabend teils weggetragen worden. Einige hätten passiv Widerstand gegen die Räumung geleistet. Von Dutzenden Aktivisten seien Personalien aufgenommen worden, anschließend hätten sie einen Platzverweis bekommen.

Nach Polizeiangaben war das Zeltcamp auf einem ehemaligen Sportplatz ohne Zustimmung des Energiekonzerns RWE auf dessen Gelände errichtet worden. Das Unternehmen habe Strafantrag wegen Hausfriedensbruch gestellt.

Die Polizei hatte mehrere Hundertschaften zusammengezogen. Den Demonstranten war nach Polizeiangaben angeboten worden abzuziehen, wenn sie die größeren Zelte des Camps zurücklassen, damit sie nicht an anderer Stelle wiederaufgebaut werden können. Später hätten Beamte dann die Sitzblockaden der Aktivisten geräumt. Zusammen mit RWE-Mitarbeitern seien zudem die Zelte abgebaut worden.

Die Demonstranten des Aktionsbündnisses „Ende Gelände“ wollten von dem Protestcamp aus neue Aktionen gegen den Kohleabbau starten. Möglich seien Blockaden von Schienen, Zufahrten oder Baggern, um Kraftwerke von der Kohlezufuhr abzuschneiden, hieß es. Für das Wochenende wird im Internet zu weiteren Protesten aufgerufen.

Schon vorab hatte es Konflikte um den Standort des Camps gegeben. Die Polizei wies den Demonstranten einen Standort zu, der weiter entfernt vom Hambacher Forst bei Jülich lag. Das lehnten die Demonstranten ab und zogen vor Gericht, wo sie unterlagen.

„Ende Gelände“ wertete das nächtliche Vorgehen der Polizei in einer Pressemitteilung als einen „weiteren schweren Eingriff in die Versammlungsfreiheit“. „Diese nächtliche Räumung ist eine massive Eskalation vonseiten der Polizei“, sagt der Mitteilung zufolge Karolina Drzewo, Pressesprecherin von „Ende Gelände“. RWE und die Landesregierung wollten damit den „legitimen Protest gegen die klimaschädliche Braunkohle verhindern“, heißt es. Das Vorgehen der Polizei werde die Aktivisten aber nicht daran hindern, zu zelten.

(jco/wer/hebu/dpa)
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