Nach tödlichem Unfall in Moers: So will NRW illegale Autorennen verhindern

Tödlicher Unfall in Moers : So will NRW illegale Autorennen verhindern

Nach dem Tod einer Unbeteiligten nach einem mutmaßlich illegalen Autorennen in Moers hat die Polizei zwei Verdächtige ermittelt. Seit einer Gesetzesverschärfung steht das Thema auch in NRW stärker im Fokus, in Köln gibt es eine Sondereinheit.

Vier Tage nach dem mutmaßlichen illegalen Autorennen mit einem unbeteiligten Todesopfer in Moers fahndet die Staatsanwaltschaft nach zwei Verdächtigen, die als Fahrer in Betracht kommen. Es gebe Hinweise, dass die beiden gefahren seien, sagte Oberstaatsanwalt Günter Neifer am Freitag. „Wir haben Hinweise auf die Identität, aber wir haben sie noch nicht finden können. Wir suchen sie“, sagte Neifer. Nähere Angaben zu den Gesuchten machte er nicht. Eine 43-Jährige, deren Pkw von einem der Fahrer gerammt worden war, war am Donnerstag an ihren schweren Verletzungen gestorben.

Zweifellos komme der Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung in Betracht, sagte der Oberstaatsanwalt. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes sei aber auch der Vorwurf des Mordes zu prüfen: Wenn ein Fahrer bei einem illegalen Autorennen billigend in Kauf nehme, dass jemand zu Tode komme, sei das in Betracht zu ziehen, so Neifer.

Dass die Polizei in NRW stärker gegen illegale Autorennen vorgeht, hat auch mit einer Gesetzesverschärfung zu tun. Seit 2017 gilt bereits die bloße Teilnahme an einem solchen Rennen als Straftat und nicht mehr als Ordnungswidrigkeit. Statt 400 Euro Bußgeld und einem einmonatigen Fahrverbot drohen nun bis zu zwei Jahre Haft. Das gilt auch für Fahrer, die sich gar kein Rennen liefern, sogenannte Alleinraser, die sich „sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos“ fortbewegen, „um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“, wie es im Gesetz heißt.

Kommen Menschen zu Schaden, drohen sogar bis zu zehn Jahre Haft. Außerdem ist es der Polizei möglich, beteiligte Autos einzuziehen – auch dauerhaft.

Dass sich die Polizei verstärkt damit auseinandersetzt, scheint angesichts der Fallzahlen und der furchtbaren Bilder geboten, die nach Rennen mit Todesopfern die Öffentlichkeit schockieren. 2017 stellte die Polizei in NRW 335 illegale Autorennen fest mit 32 Verkehrsunfällen, davon ein tödlicher. 2018 waren es 474 Autorennen mit 70 Unfällen, darunter drei tödliche. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass die Zahl der illegalen Autorennen zugenommen hat, sondern könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass durch die verstärkten Kontrollen die Rennen häufiger auffliegen. Die Zahl der tatsächlich stattgefundenen illegalen Autorennen dürfte noch um einiges höher liegen.

Die Zahl der Menschen, die aufgrund von erhöhter Geschwindigkeit im Straßenverkehr in NRW sterben, ist allerdings tendenziell rückläufig. 2018 waren es 131. Die Zahl der Unfälle als auch die der Unfallfluchten steigt allerdings seit Jahren konstant.

In Köln hat die Polizei nach mehreren tödlichen Unfällen bei illegalen Rennen eine eigene Ermittlungsgruppe mit dem Namen „Rennen“ eingerichtet – einzigartig in NRW. Zu den Ansätzen der Ermittler gehört es, in einem neutralen Wagen durch die Stadt zu fahren und nach auffälligem Fahrverhalten zu schauen. Bei Bedarf winken sie den Fahrer dann mit der Kelle raus und kontrollieren etwa, ob das Auto ohne Genehmigung verändert wurde.

Schon 2015 startete die Polizei Köln mit der Stadt die Youtube-Kampagne #ichrasenicht und produzierte dafür Clips mit bekannten Youtubern. Außerdem hat die Polizei NRW „Crash Kurs NRW“ ins Leben gerufen, ein Programm, das sich an Jugendliche und junge Erwachsene richtet und sie für die Unfallgefahren im Straßenverkehr sensibilisieren soll. Dabei erzählen unter anderem Notärzte von ihren Einsätzen, außerdem sollen Schockbilder von Unfällen die Jugendlichen warnen. (mit dpa)

(seda/dpa)
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