Nach Listerien in Wurst: Fast alle NRW-Kreise von Wilke-Rückruf betroffen

Tödliche Keime in der Wurst : Fast alle NRW-Kreise von Wilke-Rückruf betroffen

Im Skandal um keimbelastete Wurstwaren eines nordhessischen Herstellers wird klar: Produkte der Firma waren auch fast überall in NRW im Umlauf. Für die Behörden hat eine mühsame Arbeit begonnen.

Nach zwei Todesfällen und 37 Erkrankungen durch keimbelastete Wurst aus einem Betrieb in Hessen sind Händler in fast allen Regionen Nordrhein-Westfalens von dem Produktrückruf betroffen. In 48 der 53 Kreise und kreisfreien Städte im Land seien Unternehmen bekannt, die Produkte des Herstellers Wilke bezogen hätten, teilte das NRW-Verbraucherschutzministerium am Samstag auf Nachfrage mit. Weitere Details nannte ein Sprecher nicht. Die örtlichen Veterinär- und Verbraucherschutzämter hätten die betroffenen Betriebe kontaktiert und überwachten nun den Produktrückruf, sagte ein Sprecher des Landesamtes für Verbraucherschutz (Lanuv).

Derweil fordert die Verbraucherorganisation Foodwatch die Behörden auf, die Verbraucher umfangreich über die betroffenen Produkte aus der Herstellung des nordhessischen Betriebs und die Verkaufsstellen zu informieren. Das Krisenmanagement des Landkreises und des Regierungspräsidiums als zuständige Stellen sei katastrophal, sagte ein Sprecher am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Verantwortlichen seien völlig überfordert mit der Situation. Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) müsse den Fall an sich ziehen.

Laut Behörden gibt es mittlerweile 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wurstwaren der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf im Zusammenhang stehen. In Südhessen hatte es zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben, die das Robert-Koch-Institut (RKI) untersuchte. Die Produktion wurde gestoppt und der Rückruf aller Produkte weltweit angeordnet. Das Unternehmen hat die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt.

Nach Angaben des Landkreises Waldeck-Frankenberg hat die Firma Wilke mittlerweile der Schnellwarnstelle beim Regierungspräsidium Darmstadt eine Liste der belieferten Betriebe zur Verfügung gestellt. Die Schnellwarnstelle habe diese europaweit an alle Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsbehörden verteilt, heißt es auf der Website des Landkreises. Weitere Details zu der Liste gab es nicht.

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen, die Listerien aufnehmen, erkranken an der so genannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Personen: Neugeborene, alte Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Transplantierte und Schwangere. Bei ihnen und bei Ungeborenen kann Listeriose zum Tod führen.

(zim/dpa)