Nach Fall in Mülheim: So werden jugendliche Sexualstraftäter behandelt

Stationäre Therapie in Viersen : So werden jugendliche Sexualstraftäter behandelt

Der Fall der dringend tatverdächtigen Jugendlichen in Mülheim zeigt, dass auch Minderjährige Sexualstraftaten begehen können. Was sind die Ursachen? Und wie werden die Jugendlichen therapiert?

Wer in das Gerhard-Bosch-Haus in Viersen einzieht, der tut das selten wirklich freiwillig. Die männlichen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren, die dort eine stationäre Therapie beginnen, wurden wegen einer Sexualstraftat angezeigt oder aber die Therapie ist Teil der Bewährungsauflagen. „Ziel der Therapie ist es, dass die Jugendlichen verstehen, warum sie diese Übergriffe begangen haben – und vor diesem Hintergrund andere Kompetenzen und auch Strategien entwickeln, um in Zukunft nicht mehr sexuell übergriffig zu werden“, erklärt Silke Breuksch, Leitende Oberärztin der Jugendpsychiatrie der LVR-Klinik Viersen. In den ersten Monaten dürften die Jugendlichen nur in Begleitung das Haus verlassen, Handys sind nicht gestattet, sie besuchen eine eigene Schule. Der Alltag ist streng geregelt.

Warum Jugendliche überhaupt sexualisierte Gewalt verüben, da gibt es nicht den einen Grund, erklärt Breuksch. Jeder bringt seine individuelle Lebensgeschichte mit. „Zu den Faktoren, die einen zum Täter machen können, gehören unter anderem unzureichende soziale Integration und mangelnde soziale Kompetenz. Auch Ablehnung und eigene erlittene Gewalterfahrungen gehören dazu.“

Gerade zu Beginn der Therapie sind die Jugendlichen oftmals schwer zu erreichen. „Die wollen nicht mit Erwachsenen über ihre Sexualität sprechen, erst recht nicht, wenn es um sexualisierte Gewalt geht.“ Doch eine Hürde haben sie schon im Vorstellungsgespräch überwunden: Dort müssen die Jugendlichen von ihren Taten berichten.

Die Therapie dauert zwischen 12 und 18 Monaten, sie setzt vor allem auf viele Gespräche. Die Jugendlichen müssen sich mit ihren Taten auseinandersetzen auch mit den Folgen für ihre Opfer. Dass die Therapie angeschlagen hat, zeigt sich zum Beispiel am Verhalten in der Gruppe in Konfliktsituationen. Die Mehrheit schafft laut Breuksch die Therapie, was aber nicht heißt, dass sie danach keine Betreuung mehr nötig haben.

Mit Blick auf die Vergewaltigung in Mülheim sagt Breuksch: „In einer Gruppe tut man manchmal Dinge, die man so alleine nicht tun würde.“ Die Qualität der Taten habe sich in den vergangenen Jahren allerdings nicht verändert: „Da hat es schon immer Fälle gegeben, bei denen auch wir schlucken mussten – aber hinzugekommen ist die sexuelle Grenzverletzung über soziale Medien, also zum Beispiel das Einfordern und Verbreiten von Nacktfotos.“

(seda)
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