Nach A3-Blockade durch Hochzeitsgesellschaft „Sie sollen ja feiern, aber sie müssen sich an Recht und Ordnung halten“

Düsseldorf · Die brandgefährliche Foto-Session auf der A3 zwischen Ratingen und Köln sorgt auch innerhalb der Polizei für Kopfschütteln. Dabei eskalieren Hochzeitsfeiern in NRW immer häufiger. Oft spielen dabei auch Schusswaffen eine Rolle.

Mit diesem Foto sucht die Polizei Siegburg seit Oktober 2018 nach den Gästen, die auf einer Hochzeitsfeier Salutschüsse abgefeuert haben.

Mit diesem Foto sucht die Polizei Siegburg seit Oktober 2018 nach den Gästen, die auf einer Hochzeitsfeier Salutschüsse abgefeuert haben.

Foto: Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis

„So etwas habe ich in meiner gesamten Laufbahn noch nicht erlebt. Unfassbar dreist und gefährlich ist das gewesen“, sagt ein Polizist. Angehörige einer türkischen Hochzeitsgesellschaft sollen laut Polizei am Freitagnachmittag mit mehreren Luxusautos (Porsche/Audi A8) die A3 blockiert haben, um Hochzeitfotos zu machen. Die Betroffenen stritten dies jedoch ab. Die Polizei sucht deshalb nach Zeugen.

Der Zwischenfall auf der A3 dürfte den vorläufigen Höhepunkt in einer Reihe eskalierender Hochzeitsfeiern markieren. Seit etwa zwei Jahren scheinen sich landes- und bundesweit Straftaten zu häufen, die insbesondere im Rahmen türkischer und arabischer Hochzeitsfeiern begangen werden, wie aus den Polizeimeldungen hervorgeht. Dabei handelt es sich meist um die illegale Abgabe von Schüssen in die Luft aus Fahrzeugen heraus während eines Autokorso – und das auf öffentlichen Straßen. So stoppte zum Beispiel die Polizei in Oberhausen Ende Februar einen Konvoi aus rund 30 hochwertigen Fahrzeugen, aus denen zahlreiche Schüsse mit Schreckschusswaffen abgegeben worden sind. Anwohner sprachen sogar von Dauerfeuer. Dutzende Patronenhülsen wurden sichergestellt.

Die Polizei beobachtet diese Entwicklung mit zunehmender Sorge. „Es wird bei solchen Aktionen bewusst oder unbewusst in Kauf genommen, dass es Verletzte geben kann“, sagt Erich Rettinghaus, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen. „Sie sollen ja feiern, aber sie müssen sich an Recht und Ordnung halten“, so Rettinghaus. Er schätzt, dass es in dem Deliktbereich eine extrem hohe Dunkelziffer gibt. „Das können wir ja alles gar nicht kontrollieren. Wir können nicht auf alle Hochzeiten gehen. Und wir können schlecht eine Anweisung herausgeben, wie man sich auf Hochzeiten zu verhalten hat“, sagt er.

Die Polizei in Oberhausen weist ausdrücklich darauf hin, dass der in manchen Kulturen übliche Gebrauch von Schusswaffen bei Hochzeitsfeiern und die damit verbundenen verkehrsgefährdende "Hochzeitskonvois" in Deutschland verboten seien. „Die Polizeibehörden gehen konsequent gegen diese Straftäter und Verkehrssünder vor“, so die Polizei in Oberhausen. Dieses Verhalten könne auch zum Verlust des Führerscheins führen.

"Das sind junge Männer, die ein bisschen auf Gangster machen": Lesen Sie hier, was es mit dem Brauch der Salutschüsse auf türkischen Hochzeiten auf sich hat. (Archiv, Oktober 2017)

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