Nach Amokfahrt in Münster: Vater von Täter gibt psychischer Krankheit die Schuld

Nach Amokfahrt in Münster: Das sagt der Vater des Todesfahrers über seinen Sohn

Was war das Motiv des Todesfahrers von Münster? Jetzt spricht sein Vater: Sein Sohn sei psychisch krank gewesen und habe in zwei Welten gelebt. Der 48-Jährige könnte zudem falsch behandelt worden sein, so der Verdacht des 79-Jährigen.

Nach der Todesfahrt von Münster geht der Vater des Täters davon aus, dass eine psychische Krankheit seinen Sohn zu der Tat getrieben hat. "Es war eine Krankheit, die ihn in zwei Welten hat leben lassen", sagte der 79-jährige Möbeldesigner der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und fügte hinzu: "Er bildete sich etwas ein, was das Gegenteil der Wirklichkeit war." Deshalb glaube er auch nicht, dass die Polizei das Motiv der Tat jemals klären wird. "Das Motiv war die Krankheit in seinem Kopf." Sein Sohn habe schon 2015 von Selbstmord gesprochen.

Der 48 Jahre Jens R. war am Samstag mit einem Campingbus in der Innenstadt von Münster in eine Menschenmenge gerast. Eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann wurden getötet, am Montag waren noch drei der Verletzten in Lebensgefahr. Jens R. erschoss sich.

"Höllenqualen in seinem Kopf"

Der Vater, der in dem kleinen Ort Madfeld im Hochsauerlandkreis lebt, sagte der dpa, sein Sohn habe an "Verfolgungswahn" gelitten. Er sei aber nicht gewalttätig gewesen. Die Zeitung "Die Welt" zitierte den Vater mit der Aussage, das letzte Mal hätten sie vor etwa einem Vierteljahr Kontakt gehabt: "Er muss in seinem Kopf durch die Krankheit Höllenqualen gehabt haben." Der dpa sagte der Vater: "Er ist vor zweieinhalb Jahren am Rücken operiert worden." Die OP habe drastische gesundheitliche Folgen gehabt. "Er konnte nicht mehr arbeiten. Da hat er sehr drunter gelitten."

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Der 79-Jährige sagte, sein Sohn sei in psychiatrischer Behandlung gewesen. Aber: "Er ist nicht oder falsch behandelt worden. Vielleicht hat er Medikamente bekommen, die die falschen Nebenwirkungen hatten."

Der Vater bestätigte einen "Spiegel"-Bericht, wonach er schon 2015 dem sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Münster erklärt hatte, dass sein Sohn suizidgefährdet sei. "Er hat damals am Telefon gesagt, es gehe ihm sehr schlecht. Da ist auch der Satz gefallen: "Vielleicht lebe ich ja nicht mehr lange."" Aufgrund des Hinweises habe Jens R. seinen Vater wegen Verleumdung angezeigt, berichtet der "Spiegel".

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(oko)
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