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Muslimbrüder bei Ditib-Treffen in Köln

Muslimbruderschaft : Islamisten bei Ditib-Treffen in Köln

Der Islamverband Ditib lud offenbar Anhänger der Muslimbruderschaft nach Köln ein. Die islamistische Organisation wird vom Verfassungsschutz beobachtet und gilt als demokratiefeindlich.

An einem Treffen europäischer Muslime in der Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld haben vergangene Woche auch mutmaßliche Islamisten teilgenommen. Bei der Zusammenkunft auf Einladung des deutsch-türkischen Islamverbands und der türkischen Religionsbehörde Diyanet, der die Ditib unterstellt ist, seien drei Personen gesichtet worden, die der Muslimbruderschaft zugerechnet würden, erfuhr unserer Redaktion aus Teilnehmerkreisen. Die Konferenz fand vom 2. bis 4. Januar statt. Zuvor hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ darüber berichtet. Die Personen sind laut Teilnehmern der Frankfurter Prediger Khaled Hanafy und der irische Imam Hussein Halawa gewesen. Zudem solle Ibrahim El-Zayat, der als einer der einflussreichsten Muslimbruderschaft-Führer in Deutschland und Europa eingeschätzt wird, dabei gewesen sein.

Die Muslimbruderschaft ist eine radikal-islamistische Organisation, die seit den 60er Jahren auch in Deutschland aktiv ist. Verschiedene Landesämter des Verfassungsschutzes beobachten die Bewegung. Es ist bekannt, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und dessen Partei AKP sich den Muslimbrüdern politisch-ideologisch verbunden fühlen. So zeigte Erdogan in der Vergangenheit auch immer wieder bei öffentlichen Auftritten das sogenannte Rabia-Zeichen. Es wird in vielen Ländern im Nahen und Mittleren Osten als Solidaritätsbekundung für die Muslimbrüder verstanden.

Auf ihrer Website veröffentlichte die Ditib am Freitag einen Abschlussbericht zu der Kölner Konferenz. Dem Islamverband zufolge nahmen mehr als 100 Teilnehmer aus 17 Ländern teil. Der 18 Punkte umfassende Bericht beklagt Intoleranz und Rassismus gegenüber Muslimen. Zudem wird die Bildung eines „Koordinierungsrat“ angestrebt, der die effektive und schnelle Kommunikation zwischen den europäischen Muslimen gewährleistet und Visionen unterbreitet. Zum Abschluss der Konferenz hielt der Vorsitzende der Diyanet, Ali Erbas, in der Zentralmoschee das Gebet.

Der türkische Präsident Erdogan macht das Rabia-Zeichen – eine Solidaritätsbekundung für die Muslimbruderschaft (Archivbild). Foto: picture alliance / AA/Turkish Presidency / Murat Cetin

Im Rahmen der Konferenz hielt die Ditib auch ihre Vorstandswahl ab. Neuer Vorsitzender ist der Theologe Kazim Türkmen. Den Posten des Generalsekretärs bekleidet künftig Abdurrahman Atasoy, ebenfalls Theologe.