Münster: Oberbürgermeister Markus Lewe nimmt Behörden in Schutz

Nur "sporadische Kontakte" zu Amokfahrer: Münsters Oberbürgermeister Lewe verteidigt Behörden

Gedenkgottesdienst im Paulus-Dom nach Amokfahrt in Münster

Hätte die Amokfahrt von Münster verhindert werden können? Konnten die Behörden etwas ahnen? Nein, sagt Münsters Oberbürgermeister entschieden. Auch dass der Todesfahrer Ende März selbst bei der Gesundheitsbehörde vorstellig wurde, habe nicht genug Hinweise gegeben.

Die Behörden hätten den späteren Amokfahrer Jens R. zwar gekannt, es habe allerdings zwischen 2015 und 2016 nur "sporadische Kontakte" gegeben, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Münster. Erst am 27. März 2018 sei der 48-Jährige R. dann unangemeldet wieder bei der Gesundheitsbehörde erschienen und habe ein umfangreiches, selbst verfasstes Schreiben vorgelegt. "Im Gespräch und aus dem Inhalt des Schreibens ergaben sich keinerlei Hinweise auf eine unmittelbar drohende Suizidgefahr oder Fremdgefährdung", sagte Lewe.

Eine E-Mail, die der 48-jährige Mann aus Münster Ende März an einen größeren Bekanntenkreis geschrieben und in der er seinen Zustand beschrieben haben soll, habe den Behörden nicht vorgelegen. Es habe zudem keine Hinweise von Dritten wegen einer möglichen Gefährdung gegeben, sagte Lewe weiter.

Polizei hatte R. nicht angetroffen

Der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete am Dienstag unter Berufung auf Sicherheitskreise, wichtige Informationsstränge der Behörden in Münster seien aneinander vorbeigelaufen, sodass der 48-jährige Industriedesigner nicht rechtzeitig vor seiner Amnokfahrt gestoppt werden konnte.

Dem Bericht zufolge verschickte R. eine Art Abschiedsmail mit verschiedenen Anhängen. Ein Bekannter habe daraufhin den sozialen ambulanten Dienst beim Amtsgericht in Münster eingeschaltet. Über die Feuerwehr sei die Polizei unterrichtet worden. Eine Streife habe dann nach dem Mann gesucht, ohne ihn zu finden.

Genau am selben Tag soll der Gesuchte bei der Psychiatrieanlaufstelle der Stadt aufgetaucht sein. Nach Informationen der Zeitung bat er um ein Gespräch mit seinem Betreuer, der sich aber im Urlaub befand. R. habe das Haus verlassen, die Behörde aber offenbar nichts von seinen Suizidabsichten erfahren.

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Lewe lobt Behörden nach "schwarzer Stunde"

Münsters Oberbürgermeister lobte die Behörden der Stadt für ihre Kooperation. "Da ist etwas, was neu auf uns zukommt", sagte er zu den Ereignissen des Wochenendes und ihren Folgen. "Die Schalter werden umgelegt." Die Behörden und Kliniken, die Kirchen und auch die Kreise im Münsterland und das Land hätten nach dieser "schwarzen Stunde" sehr gut zusammengearbeitet, sagte Lewe.

R. war am Samstagnachmittag in der Altstadt von Münster mit einem Campingbus in eine Restaurantterrasse gerast. Dabei wurden eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann getötet, der Täter erschoss sich anschließend in dem Fahrzeug. Bei der Attacke wurden nach Angaben der Universitätsklinik in Münster 25 Menschen verletzt, acht davon schwer. Am Montag waren immer noch fünf in Lebensgefahr.

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(oko)