Münster: Noch vier Verletzte nach Todesfahrt in Lebensgefahr

Todesfahrt in Münster: Noch fünf Verletzte schweben in Lebensgefahr

Nach der Amokfahrt von Münster mit zwei Todesopfern schweben noch fünf der Schwerverletzten in Lebensgefahr. Die Polizei will derweil klären, woher der Täter die Waffe hatte, mit der er sich selbst erschoss.

Drei Patienten werden in lebensbedrohlichem Zustand im Universitätsklinikum Münster behandelt, zwei weitere Patienten im Münsteraner Clemenshospital, wie Sprecher der Kliniken am Dienstag mitteilten. Noch am vergangenen Samstagabend wurden dringend Blutspenden für die Opfer benötigt. Rund 300 Menschen kamen, um ihr Blut zu spenden.

Aktuell wollen die Ermittler klären, ob die im ehemaligen Jugoslawien hergestellte Pistole möglicherweise bereits bei einer anderen Straftat eingesetzt wurde, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Der als psychisch labil eingestufte Jens R. hatte am Samstagnachmittag in der belebten Altstadt von Münster seinen Campingbus in eine Menschengruppe vor einer Traditionsgaststätte gesteuert.

Gedenkgottesdienst im Paulus-Dom nach Amokfahrt in Münster

Dabei wurden eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann getötet. Nach der Amokfahrt richtete sich der 48-jährige Deutsche selbst. Nach Erkenntnissen der Ermittler handelte der Täter eindeutig in Suizidabsicht. R. habe jedoch entgegen anderslautenden Berichten im Zeitraum vor der Tat diese eindeutige Absicht zur Selbsttötung "weder dargelegt noch gegenüber Dritten geäußert", erklärten die Ermittler am Montagabend.

In einer Mitteilung vom Sonntag hatten Polizei und Staatsanwaltschaft von "vagen Hinweisen auf suizidalen Gedanken" des späteren Täters in einer E-Mail von Ende März berichtet. In der E-Mail habe es aber "keinerlei Anhaltspunkte für die Gefährdung anderer Personen" gegeben.

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Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) zeigte sich unterdessen überzeugt, dass die Behörden die Amokfahrt des Manns nicht vorhersehen konnten. Zwischen R. und dem sozialpsychiatrischen Dienst Münsters habe es 2015 und 2016 "sporadische Kontakte" gegeben, erklärte Lewe.

"Zwischen Dezember 2016 und März 2018 gab es keine weiteren Kontakte, und es lagen auch keine Hinweise von Dritten vor." Den nächsten Kontakt habe es dann am 27. März dieses Jahres gegeben, als R. unangemeldet erschienen sei. "Er legte ein umfangreiches, von ihm selbst verfasstes Schreiben vor und bat darum, es seiner Akte beizufügen."

Im Gespräch und aus dem Inhalt des Schreibens hätten sich "keinerlei Hinweise auf eine unmittelbar drohende Suizidgefahr oder Fremdgefährdung" ergeben, betonte der Oberbürgermeister. "Am 29. März 2018 hat er eine Kopie desselben Schreibens in der Verwaltungsabteilung des Gesundheitsamts abgegeben - auch bei diesem kurzen Kontakt ergaben sich keine Hinweise auf eine akute Eigen- oder Fremdgefährdung."

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(skr)