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Münster/Haltern am See: Archäologen zeigen 2000 Jahre alten Legionärs-Dolch

Sensationeller Fund in Haltern am See : Archäologen zeigen 2000 Jahre alten Legionärs-Dolch

Als Praktikant buddelte er bei Ausgrabungen in Haltern. Dann machte der 19-Jährige einen europaweit einmaligen Fund. Neun Monate später darf Nico Calmund die restaurierten Stücke mit präsentieren.

Praktikant Nico Calmund wusste, dass er gleich etwas aus Metall ausgraben würde. Im April 2019 hatten die Metalldetektoren bei Grabungen in Haltern am See angeschlagen. Der 19-Jährige rechnet mit Eisennägeln. Dann lag plötzlich ein rund 2000 Jahre altes römisches Legionärsmesser auf seiner Schaufel. Calmund hatte bei einem Gemeinschaftsprojekt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und der Uni Trier einen europaweit einmaligen Fund gemacht, wie die Forscher berichten.

Die Archäologen des LWL identifizierten später einen kunstvoll verzierten Dolch eines Legionärs und den passenden Waffengürtel aus der Zeit von Kaiser Augustus vor rund 2000 Jahren. Die restaurierten Stücke stellte die Experten am Freitag in Münster vor.

„Der Dolch aus Haltern zählt den bedeutendsten Funden seiner Gattung in Europa“, sagte LWL-Chefarchäologe Michael Rind. Das besondere sei die Kombination aus vollständig erhaltener Klinge, Scheide und Wehrgürtel.

Eugen Müsch (r.), Restaurator des LWL-Archäologie für Westfalen, und der 19-jährige Nico Calmund, Praktikant und Finder des Dolchs. Foto: dpa/Guido Kirchner

Die Bewohner des römischen Militärlagers bestatteten ihre Toten in Urnengräbern - eigentlich ohne Grabbeilagen. „Ein zufälliger Verlust der kostbaren Waffe samt Gürtel an dieser Stelle scheint unwahrscheinlich“, sagte LWL-Römerexpertin Bettina Tremmel bei der Präsentation. Von daher bleibt der Fund für die Experten an dieser Stelle etwas rätselhaft.

Bereits 1967 wurde ein vergleichbarer Dolch in Haltern gefunden, allerdings im Hauptlager der Römer und nicht in einem Gräberfeld. Wegen neuer Wohnbebauung wird derzeit in Haltern im Bereich von römischen Gräberfeldern das Erdreich gesichtet.

Die Archäologen des LWL sprechen vom Quäntchen Glück, dass man bei solchen Grabungen haben müsse. Der aktuelle Fund wurde in römischer Zeit in etwas 40 Zentimeter Tiefe vergraben, Praktikant Calmund stieß in einem Meter Tiefe auf ihn. Wäre es etwas höher gewesen, hätte ein Pflug den Fund zerstören können, bei einer tieferen Lage wäre Dolch und Gürtel wohl stärker über die Jahrtausende durch den Abfluss von Regenwasser zerstört worden. „Wir sprechen hier vom sogenannten Einwaschhorizont“, erklärt Restaurator Eugen Müsch. Und der sei in diesem Fall eben günstig gewesen.

Nach seiner Schilderung war der Fund „unheimlich gut erhalten. Es ist uns gelungen, den Dolch aus der Scheide zu entnehmen.“ Die anschließende Restaurierung dauerte neun Monate. Vor allem das Entfernen einer dicken Korrosionsschicht mit Schleifen und per Sandstrahl bis zur Originaloberfläche war mühsam.

Einen vergleichbaren Fund gab es auch bereits in den Niederlanden. „Da war der Dolch aber nicht so alt und rund eine Generation jünger“, erklärt Tremmel.

Die Fundstücke sollen ab März 2022 im LWL-Römermuseum in Haltern zu sehen sein. Bis dahin werden sie eingehend von den Experten untersucht und Teil von verschiedenen Forschungsprojekten sein.

(hsr/dpa)