Mülheim: Vergewaltigung nahe Spielplatz - Familie von Angeklagtem entgeht Ausweisung

Gruppenvergewaltigung in Mülheim : Familie des Angeklagten darf vorerst in Deutschland bleiben

Die Eltern des Hauptverdächtigen der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in Mülheim entgehen vorerst einer Ausweisung in ihr Heimatland Bulgarien. Der Jugendliche sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Der Fall hatte über die Region hinaus für Entsetzen gesorgt.

Die Familie des 15 Jahre alten Hauptdächtigen im Fall der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Mülheim an der Ruhr kann nicht wie geplant nach Bulgarien ausgewiesen werden. Das sagte Stadtsprecher Volker Wiebels am Montag und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung.

Laut Wiebels konnte sich die bulgarische Familie „in letzter Minute“ vor der Ausweisung aus Deutschland retten. An diesem Montag wäre eine vierwöchige Frist abgelaufen. Am vergangenen Donnerstag hatte die Mutter des Verdächtigen jedoch beim Ausländeramt der Stadt einen Arbeitsvertrag vorgelegt. Demnach arbeitet sie seit dem 15. Oktober auf 450-Euro-Basis bei einer Gebäudereinigungsfirma in Essen. „Nach europäischem Recht darf eine Ausweisung nicht stattfinden, wenn ein Familienmitglied in einem Arbeitsverhältnis steht - auch wenn es sich um eine geringfügige Beschäftigung handelt“, erklärt Volker Wiebels.

Aufgrund des vorgelegten Arbeitsvertrags der Mutter steht die Stadt in dem Fall wieder ganz am Anfang. „Wir stehen wieder bei null, werden jetzt den Arbeitgeber anschreiben und uns Gehaltsüberweisungen zeigen lassen“, sagt er. Sobald ein Gehaltszettel vorliegt, werde dieser auf seine Richtigkeit überprüft. Allein das Prüfverfahren werde rund zwei Monate dauern. „Wenn die Familie ein Einkommen hat und die Verträge stimmen, können wir keine Ausweisung mehr vornehmen.“

Die Stadt hat in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit der Familie des Beschuldigten gemacht. Der Familienvater hatte falsche Angaben zu seinem Arbeitsstatus gemacht, um einer Ausweisung zu entgehen. Er hatte dem Ausländeramt einen Arbeitsvertrag bei einem Imbiss vorgelegt, aber nie angefangen, dort zu arbeiten. Daraufhin wurde er zu einer Anhörung vorgeladen, doch auch dort erschien er nicht. „Wir fühlen uns betrogen“, sagt Stadtsprecher Wiebels.

Am 5. Juli war eine 18-Jährige in Mülheim in ein Waldstück nahe eines Spielplatzes gezerrt und dort von fünf Kindern und Jugendlichen vergewaltigt worden. Die verdächtigen Jungen waren zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat 14 Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen drei Jugendliche erhoben. Gegen zwei damals Zwölfjährige, die ebenfalls an der Tat beteiligt gewesen sein sollen, waren die Ermittlungen eingestellt worden, weil sie strafunmündig sind.

Im Zuge der Ermittlungen gegen den in Untersuchunghaft sitzenden mutmaßlichen Haupttäter hatte die Stadt Mülheim eine Ausweisung seiner Familie überprüft und festgestellt, dass die Eltern kein Geld in Deutschland verdienen.

(mba)
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