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Mit Zollfahndern unterwegs: Airport Düsseldorf - Endstation für Hitler

Mit Zollfahndern unterwegs : Airport Düsseldorf - Endstation für Hitler

Ein ganz normaler Tag beim Düsseldorfer Zollamt

Am Düsseldorfer Airport erleben die Beamten vom Zoll allerhand Kurioses. Passagiere schmuggeln Kokain oder Tiere und bringen Tassen mit Hitlers Konterfei aus dem Urlaub mit. Wir haben die Beamten in der Frühschicht begleitet.

Der Mann mit den Nazi-Dolchen kommt mit dem Flieger aus Atlanta. Am Gepäckband hebt er einen Koffer und einen Pappkarton auf den silbernen Rollwagen, dann steuert er zielgerichtet auf die Männer vom Zoll zu. "Guten Tag", sagt er. "Ich habe etwas anzumelden."

Es ist kurz nach zehn Uhr an einem Dienstagmorgen. Marcel Spreyer und Ingo Klinkhammer sind seit vier Stunden im Dienst, als der Mann indischer Herkunft vor ihnen steht. Die beiden arbeiten beim Düsseldorfer Zollamt und suchen am Flughafen nach unerlaubt in die Bundesrepublik eingeführten Waren. Sie tun das, sagt Spreyer, vor allem aus zwei Gründen. "Zum einen wollen wir natürlich Straftaten verhindern ­— zum Beispiel, dass Waffen illegal in Umlauf kommen."

"Manchmal muss man die Passagiere vor sich selbst schützen"

Allein im Jahr 2015 stellten der 39-Jährige und seine Kollegen am Düsseldorfer Flughafen 286 Waffen sicher. Hauptsächlich waren das Messer, Schlagringe, Wurfsterne oder als Taschenlampen getarnte Elektroschocker — zum Großteil von jungen Männern aus Osteuropa mitgebracht. Der andere Grund, warum die Männer vom Zoll ihrer Arbeit nachgehen, ist der Schutz der Passagiere vor sich selbst. Gerade im Fall von Medikamenten sei vielen Reisenden nicht bewusst, was sie da eigentlich aus dem Ausland mitbringen. "Man weiß manchmal gar nicht, was da wirklich drinsteckt. In Deutschland kauft man Medikamente in der Apotheke, im Ausland gibt es Antidepressiva auf dem Basar. Was die Leute einführen, kann in Wahrheit ein Placebo sein, oder aber anders dosierte Medizin, als es die Leute von zu Hause kennen", sagt Ingo Klinkhammer.

Zurück zum Ankömmling aus Atlanta. Er habe Ausstellungsstücke für eine Messe in Kassel in seinen Taschen, erklärt er. Spreyer und Klinkhammer wollen sich die Ware genauer ansehen. Als einer der Zollbeamten den ersten Koffer öffnet, holt er erst ein in Folie eingepacktes Schwert hervor, dann ein weiteres, später eine Reihe von Dolchen. Nach dem Waffengesetz ist deren Einfuhr erlaubt. Auf einem großen, eingerollten Stück Papier, das der Passagier ebenfalls bei sich hat, steht in schwarzen Buchstaben "world map", Weltkarte, — auch kein Grund zur Beunruhigung. Vorerst.

Spreyer und Klinkhammer wirken bei ihrer Arbeit abgeklärt. Waffen, Drogen oder andere Schmuggelware im Gepäck von Reisenden zu entdecken, ist für sie Routine. Im Laufe der Jahre haben die beiden allerhand kuriose Funde gemacht. "Letztes Jahr haben wir ein ausgestopftes Krokodil entdeckt", erzählt Klinkhammer. Rund einen Meter lang, von allen Innereien befreit und getrocknet, hatte es ein Passagier von Mauritius über St. Petersburg nach Düsseldorf mitgebracht. "Als Geschenk für seine Mutter."

Geröstete Flughunde als Snack

Noch am Morgen, bevor der indische Passagier vor sie trat, waren dem Zoll am Flughafen geröstete Flughunde untergekommen, die ein Reisender bei sich trug — als Snack. "Reisende, die aus weiter entfernten Ländern kommen, haben zu solchen Dingen ein anderes Verhältnis als wir hier in Deutschland", erklärt Marcel Spreyer. Für die Zöllner aber liege die Aufgabe darin, zu verhindern, dass über die toten Tiere Seuchen eingeschleppt werden, die für Mensch oder Tier gefährlich werden können — in Düsseldorf aber ein sehr seltenes Thema.

Mehr Probleme machen da schon Drogen. Im vergangenen Jahr beschlagnahmte der Zoll am Flughafen rund 150 Kilogramm Betäubungsmittel mit einem Wert von rund 6,6 Millionen Euro. Den größten Anteil habe mit 148,11 Kilogramm Kokain ausgemacht, erklärt Zollsprecher Michael Walk. Gerade Drogenschmuggler legen bei ihren Versuchen, Kokain oder andere illegale Substanzen nach Deutschland zu bringen, eine erstaunliche Kreativität an den Tag. So versuchte ein Reisender in Düsseldorf, Betäubungsmittel in einem Rollstuhl versteckt einzuschleusen. In solchen Fällen kommen den Beamten ihr geschultes Auge und ihre Erfahrung zugute. Kontrollen werden meist stichprobenartig durchgeführt, allerdings mit einem Augenmerk auf wahrscheinliche Schmuggelware. "Risikoorientiertes Kontrollieren", nennt der Zoll das. Soll heißen: Kommt ein Flieger aus einem als Drogenumschlagplatz bekannten Ort wie Curacao oder Kolumbien, werden häufiger Drogenschnelltests bei Passagieren durchgeführt. Bei Reisenden aus den Vereinigten Staaten oder Asien hingegen wird verstärkt das Gepäck kontrolliert — es könnten Warenmengen eingeführt werden, die verzollt werden müssen.

"Ich wusste nicht, dass Hakenkreuze hier verboten sind"

Ein ganz anderes Problem stellt sich beim Reisenden aus Atlanta heraus. Auf einem der Dolche, die er für eine Ausstellung mitgebracht hat, entdecken die Zollbeamten ein kleines Hakenkreuz. "Jetzt müssen wir das gesamte Gepäck durchsuchen", sagt Ingo Klinkhammer. Das Verbreiten oder Verwenden verfassungswidriger Symbole ist in Deutschland eine Straftat. Und: Es bleibt nicht bei einem Dolch, auf dem Klinkhammer und sein Kollege ein Hakenkreuz entdecken. Gleich eine Handvoll Waffen sind damit gekennzeichnet — die Beamten wirken alarmiert. Noch einmal fällt ihr Blick auf die vermeintliche Weltkarte. Als sie das Papier entrollen, verschlägt es ihnen die Sprache. Das Plakat zeigt ein Abbild von Adolf Hitler vor einem Hakenkreuz. Während es ob der unzähligen Nazisymbole im Kontrollbereich langsam unruhig wird, bleibt der Passagier, der sie mitbrachte, gelassen. "Ich wusste nicht, dass sie hier verboten sind", sagt er. Dass die Beamten in wenigen Minuten einen Strafbefehl gegen ihn einleiten und seine Mitbringsel aus den USA ihn wohl vor ein deutsches Gericht bringen werden, scheint ihm in diesem Moment noch nicht klar zu sein.

Michael Walk kennt dieses Problem. "Vielen ausländischen Reisenden fehlt der Bezug zu diesen Symbolen", sagt er. So würden in Osteuropa etwa Tassen mit dem Konterfei Hitlers an Reisende verkauft. "Die nehmen sie dann mit, weil sie sie cool finden." Das böse Erwachen folgt dann, wenn sie vor Spreyer, Klinkhammer und ihren Kollegen stehen. Da helfen dann auch keine Unschuldsbeteuerungen mehr, erklärt Walk. "Wir stellen in jedem Fall einen Strafbefehl aus. Wissen oder nicht wissen — das spielt hier keine Rolle." Das weiß jetzt auch der Mann mit den Nazi-Dolchen.