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Missbrauchsnetzwerk NRW: Staatsanwalt fordert neun Jahre Haft und Unterbringung in Psychiatrie

Prozess um Missbrauchsnetzwerk : Staatsanwalt fordert neun Jahre Haft und Unterbringung in Psychiatrie

Der Prozess gegen einen Soldaten aus Kamp-Lintfort geht am Dienstag in die Schlussphase. Der Staatsanwalt hat am Morgen eine hohe Haftstrafe für den 27-Jährigen gefordert, der zugegeben hat, seine Kinder und eine Nichte sexuell missbraucht zu haben.

Staatsanwalt Elmar Köstner forderte in seinem Plädoyer neun Jahre Haft und die Unterbringung des Angeklagten Bastian S. in einem psychiatrischen Krankenhaus. „Er hat seine Rolle als Beschützer seiner Kinder ins Gegenteil verkehrt und gnadenlos ausgenutzt, dass sie ihm ausgeliefert waren“, sagte der Staatsanwalt. Indem Bastian S. Bilder und Videos des Missbrauchs erstellt und einem landes-und bundesweit agierenden Netzwerk von Pädophilen zur Verfügung gestellt hat, habe der Angeklagte die Kinder weiter herabgewürdigt, sagte der Staatsanwalt. „Ich hoffe, dass vom heutigen Urteil das Signal ausgehen wird: Kein Täter ist sicher, wir bestrafen euch hart.“

Der Angeklagte hatte am ersten Prozesstag mehr als 30 Fälle teils schweren sexuellen Missbrauchs seiner leiblichen Tochter (heute 3), seines sechs Jahre alten Stiefsohnes und seiner kleinen Nichte gestanden. Der Prozess des Landgerichts Kleve findet in einer auswärtigen Strafkammer in Moers wegen der Corona-Bestimmungen vor nur wenigen Zuschauern statt.

Der Verteidiger des Angeklagten, Klaus Warthuysen, wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass der psychiatrische Gutachter keine verminderte Schuldfähigkeit gesehen habe. Statt der Unterbringung seines Mandanten in einer Psychiatrie fordert er einen siebenjährige Haftstrafe unter Vorbehalt der anschließenden Sicherungsverwahrung. Einem Täter wird dann schon im Gefängnis eine Therapie nahegelegt. Die Sicherungsverwahrung dient dem Schutz der Allgemeinheit vor gefährlichen Tätern.

Der psychiatrische Gutachter hat in der vergangenen Woche seine Einschätzung zu einem möglichen Rückfallrisiko abgegeben. Er stellte S. eine ungünstige Prognose. „Die Wahrscheinlichkeit, dass er rückfällig wird, ist relativ hoch“, sagt der Psychiater. „Wenn er wieder frei ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas passiert.“

Bastian S. sagte nach den Plädoyers: „Ich kann mich nur dafür entschuldigen. Das hätte nicht passieren dürfen.“ Es täte ihm leid für die Kinder. „Ich hoffe, dass sie es verarbeiten können.“

Das Gericht wird noch am Dienstag ein Urteil verkünden.