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Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Durchsuchungen in zehn Bundesländern

Razzia gegen Kinderpornografie : „Die Verstecke sind äußerst kreativ“

Die Ermittlungen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach haben erneut zu Razzien in mehreren Bundesländern geführt. 1000 Beamte waren im Einsatz, in NRW wird gegen 16 Tatverdächtge ermittelt. Auch zwei Frauen sollen Kinderpornos verbreitet haben.

Bei einer bundesweiten Razzia sind am Dienstag Wohnungen und Arbeitsstätten von 63 Männern und zwei Frauen durchsucht worden, die kinderpornografisches Material besessen und verbreitet haben sollen. Dies gab die Kölner Polizei, unter deren Führung der Einsatz lief, am Nachmittag bei einer Pressekonferenz bekannt. Mehr als 1000 Beamte waren im Einsatz, an einigen Durchsuchungsorten auch Spezialkräfte.

Der Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach zieht damit weitere Kreise. Auf die Spur der Tatverdächtigen kamen die Ermittler über die Auswertung von Chats in verschiedenen Messenger-Systemen, in denen Pädokriminelle Bild- und Videomaterial von Missbrauchshandlungen tauschen. „Wir werden den Kampf gegen Pädokriminelle nicht aufgeben und setzen weiterhin die Puzzleteile zusammen“, sagt Michael Esser, Leiter der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) Berg. Zwar gebe es bei den aktuellen Tatverdächtigen derzeit keine Hinweise darauf, dass sie auch aktiv Kinder missbraucht haben, „aber jeder, der sich das Material herunterlädt, ist dafür verantwortlich, dass irgendwo ein Kind missbraucht worden ist“, sagt Esser.

500 Beamte waren bei den Durchsuchungen allein in NRW eingesetzt, wo sie 21 Objekte durchsucht haben, unter anderem in Herdecke. Ermittelt wird hier gegen 16 Tatverdächtige. Auch in Bayern, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden- Württemberg gab es Durchsuchungen. Insgesamt gab es in zehn Bundesländern Razzien. Verhaftet wurde niemand. Die Ermittler stellten aber mehr als 1000 mutmaßliche Beweise sicher, darunter jede Menge Handys, Laptops, Datenträger, aber auch zwei scharfe Waffen und Munition. Am Nachmittag liefen die Durchsuchungen noch weiter.

„An einem Objekt ist bereits der dritte Datenspeicher-Spürhund im Einsatz“, sagt Esser. „Die Verstecke der Datenträger sind äußerst kreativ.“ Ein Tatverdächtiger wollte fliehen, bei einem anderen wurden Sexspielzeug und Kinderspielsachen entdeckt, obwohl im Haus kein Kind wohnt. In einem anderen Haus lebte ein 13 Jahre altes Kind mit, das dem Jugendamt übergeben wurde. „Es ist noch unklar, ob das Kind missbraucht wurde“, sagt Esser.

Der Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW, Oberstaatsanwalt Markus Hartmann, betonte, dass die internationale Zusammenarbeit mit den Betreibern von Messengerdiensten und Plattformen gut funktioniere. Ein großer Aspekt der Ermittlungsarbeit sei das Identifizieren der Beteiligten in den Chatgruppen.

Die BAO Berg ermittelt seit Oktober 2019. Im Haus eines Mannes aus Bergisch Gladbach waren damals große Mengen  kinderpornografischer Daten gefunden worden. Kostenpflichtiger Inhalt Er wurde inzwischen zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Über ihn stießen die Ermittler auf Hunderte weitere Verdächtige. Die Chats, die nun Gegenstand der Ermittlungen sind, waren unter anderem im Herbst 2020 bei einer Razzia in Krefeld entdeckt worden. Seit Bestehen der BAO Berg konnten nach Angaben von Esser 52 Kinder befreit und 330 Beschuldigte identifiziert werden. Elf wurden bisher angeklagt, zehn verurteilt. Mehrere Verfahren wurden an Finnland, Schweden, die Niederlande und die Schweiz abgegeben. Die Ermittler werden nun wieder lange damit beschäftigt sein, die sichergestellten Datenträger auszuwerten. „Eine erste Sichtung ist schon angelaufen“, sagt Esser.