Mehdorn und Reim sprechen über die Kunst, ein Amt zu verlassen

Diskussion um den richtigen Rücktritt: Zurücktreten, bitte!

Ex-Bahnchef Mehdorn, Ex-RBB-Chefin Reim und Ex-NRW-Finanzminister Walter-Borjans sprechen in Bonn bei einer Buchvorstellung über ihre persönlichen Rücktritts-Erfahrungen.

Hartmut Mehdorn mag angeblich Golf und segelt sehr gerne. Ein anderes Hobby hat er aber offenbar erst im Rentenalter für sich entdeckt: Zurücktreten. Als er 2009 seinen Rücktritt als Bahnchef ankündigte, war er 67 Jahre alt. Als er überraschend als Geschäftsführer des Flughafenbetreibers BER ging, 73 Jahre. Heute ist er 75 und hat mit einigen anderen Prominenten offen über seine Rücktritte gesprochen — für ein Buch des Hörfunkjournalisten Moritz Küpper.

Am Mittwochabend stellte dieser sein Werk "Über die Kunst, ein Amt zu verlassen" in Bonn vor — gemeinsam mit Mehdorn, der ehemaligen RBB-Intendantin Dagmar Reim und dem ehemaligen NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Moderiert wurde die Diskussion vom stellvertretenden RP-Chefredakteur Stefan Weigel.

Seinen Rücktritt als Bahnchef begründete Mehdorn 2009 vor allem mit der Datenaffäre im Unternehmen. Die Bahn hatte unter anderem private Daten ihrer Beschäftigten beschafft und ausgewertet. Nun stellte er den Rücktritt anders dar: "Bei der Bahn hatten wir vor allem den Auftrag, die Teilprivatisierung umzusetzen. Damit sind wir letztlich über die Lehmann-Pleite im Zuge der Finanzkrise gestolpert. Ich habe Frau Merkel dann erklärt, dass es einen neuen Mann braucht." Er selbst habe seinen Nachfolger Rüdiger Grube vorgeschlagen, der Mehdorns Amt 2009 übernahm.

Später war der Industriemanager kurze Zeit Chef von Air Berlin — diese Aufgabe war aber von Anfang an befristet. Doch auch seine nächste Station verlies Mehdorn vorzeitig: Als Geschäftsführer des Flughafenbetreibers BER war er nur zwei Jahre, bis März 2015, im Amt. Doch seine Entscheidungen, betonte er, traf er immer selbst. Niemand habe ihm zum Rücktritt geraten — eher andersrum: "Wenn Sie 20 Jahre im Vorstand sind, dann kommt es vor, dass Sie auch mal jemandem sagen müssen, dass es nicht passt, dass er jetzt besser das Feld räumt."

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"Ich hatte 42 Jahre gearbeitet — da habe ich mir gesagt, jetzt ist auch mal gut!"

Auch Dagmar Reim entschied sich 2016 ganz freiwillig für den Rückzug. Die damalige Intendantin des Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) war von ihrem Sohn zum Nachdenken gebracht worden: "Er sagte einmal zu mir: Mama, wenn du so weiterarbeitest, wirst du dir irgendwann vorwerfen, viel schöne Zeit mit der Familie verpasst zu haben. Das hat einen Prozess in mir angestoßen", sagte die 65-Jährige am Mittwochabend. "Ich hatte 42 Jahre gearbeitet — da habe ich mir gesagt, jetzt ist auch mal gut!"

In Küppers Buch berichten außerdem noch Kurt Beck, Roland Koch, Christian Lindner und Karl-Theodor zu Guttenberg Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Rücktritt.

Moritz Küpper: Rücktritte: Über die Kunst, ein Amt zu verlassen, Tectum Verlag 2017.

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