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NRW: Maut für Lkw soll deutlich steigen

NRW : Maut für Lkw soll deutlich steigen

Die 2005 bundesweit eingeführte Autobahngebühr für Lkw – derzeit 13,5 Cent pro Kilometer – ist nach Ansicht von NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke eine reine "Abkassier-Maut". Vor Unternehmern in Neuss forderte der CDU-Politiker, die Maut endlich verkehrslenkend einzusetzen.

Die 2005 bundesweit eingeführte Autobahngebühr für Lkw — derzeit 13,5 Cent pro Kilometer — ist nach Ansicht von NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke eine reine "Abkassier-Maut". Vor Unternehmern in Neuss forderte der CDU-Politiker, die Maut endlich verkehrslenkend einzusetzen.

Das bedeutet: Der Bund müsse dafür sorgen, dass die Gebühr auf stark belasteten Autobahnen "drastisch erhöht" wird, während sie für schwach genutzte Straßen abzusenken sei. Darüber habe er inzwischen auch mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) gesprochen, sagte Wittke unserer Redaktion

Tatsächlich werden auch in Berlin ähnliche Überlegungen angestellt. Tiefensee habe schon mehrfach sein Interesse an einer Verkehrslenkung durch die Lkw-Maut bekundet, heißt es. Zwar werde das Bundeskabinett Ende Mai über eine Neuordnung dieser Maut beraten.

Dabei gehe es aber vor allem um deren ökologische Ausrichtung: Lkw mit hohem Schadstoff-Ausstoß sollen mehr zahlen als die anderen. Ob neben dieser "Maut-Spreizung" auch das Thema Verkehrslenkung zur Sprache komme, sei noch unklar. Grundsätzlich schließt das Bundesverkehrsministerium jedoch auch eine zeitliche Staffelung nicht aus. So sei denkbar, dass es tagsüber beispielsweise am Kamener Kreuz für Lkw teurer sein könnte als nachts.

Als Beispiel für stark befahrene Autobahnen nennt das NRW-Verkehrsministerium den Kölner Ring, die A 2 und die A 3 etwa im Bereich Oberhausen mit mehr als 90.000 Kfz-Bewegungen am Tag. Deutlich geringer ausgelastet seien die A 3 Richtung Nimwegen oder die A 31 ("Ostfriesenspieß").

Verband: "Wirkt wie Geldschneiderei"

Kein Verständnis für derartige Maut-Pläne hat der Verband Güterkraftverkehr NRW. "Das alles wirkt doch arg wie Geldschneiderei", so ein Verbandssprecher zu unserer Redaktion. Er warnte gleichzeitig vor den Folgen einer Verteuerung: "Bei einer extremen Anhebung der Maut könnten sich manche genötigt sehen, Ausweichwege zu benutzen."

Ein solches Horror-Szenario hält auch der ADAC für möglich. "Es kann doch niemand wollen, dass die Lkw nachts durch Wohngebiete fahren", heißt es beim Automobilclub in München. Dort glaubt man nicht an eine Entlastung durch mehr Maut: "Wenn ein Fahrer von A nach B muss, hat er oft keine Alternative." Hinzu komme, dass nicht alle Lkw mit dem On-Board-System ausgerüstet seien, das eine Maut-Differenzierung nach Tageszeiten ermöglicht. Der ADAC hält mehr Maut für eine "verschleierte Preiserhöhung". Besser sei der Ausbau der Verkehrswege.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der lange Weg zur Lkw-Maut