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Marcel H.: Herner Kindermörder in Gladbach vermutet

Wo ist Marcel H.? : Herner Kindermörder in Gladbach vermutet

Aus weiten Teilen des Landes erreichen die Polizei Hinweise zum Verbleib des mutmaßlichen Kindermörders. Doch auch die Durchsuchung einer Klinik in Mönchengladbach blieb ergebnislos. Die Ermittler glauben: Er ist noch in NRW.

Die Straße ist komplett abgeriegelt. Auf dem Klinikvordach laufen Polizisten in Schutzwesten mit Maschinenpistolen, und vor der Tür warten Patienten, die eigentlich einen ambulanten Behandlungstermin gehabt hätten, nun aber draußen bleiben müssen. Mit einem Großaufgebot ist am Donnerstag das Krankenhaus "Maria von den Aposteln" im Mönchengladbacher Stadtteil Neuwerk durchsucht worden. Eine Mitarbeiterin der Klinik hatte sich bei der Polizei gemeldet, weil sie glaubte, den mutmaßlichen Kindermörder Marcel H.. dort gesehen zu haben. "Die Zeugin ist glaubwürdig, und wir nehmen den Hinweis ernst", sagte ein Polizeisprecher. Noch in der Nacht hatte die Dortmunder Polizei mitgeteilt, dass Marcel H.. an der Hand verletzt sein könnte und möglicherweise ein Krankenhaus, eine Apotheke oder einen Arzt aufsuchen wird. Immer mehr Einsatzkräfte treffen daraufhin am Morgen in Mönchengladbach ein. Kurz darauf wird auch an der nahegelegenen Trabrennbahn gesucht. Spürhunde und ein Polizeihubschrauber sind im Einsatz.

  • Fotos : Neunjähriger Junge in Herne getötet
  • Fotos : Marcel H.: Polizeieinsatz in Mönchengladbach
  • Tötung eines Jungen in Herne : Tatverdächtiger Marcel H. könnte an der Hand verletzt sein

Gesuchter war nicht am Bahnhof

Bereits in der Nacht zum Donnerstag hatte die Mönchengladbacher Polizei nach dem 19-Jährigen aus Herne gesucht, der am Montag einen neunjährigen Jungen mit mehreren Messerstichen getötet haben soll. Gegen Mitternacht war im sozialen Netzwerk Facebook ein Foto aufgetaucht, das Marcel H.. am Mönchengladbacher Hauptbahnhof zeigen soll. Das Bild wurde in Windeseile tausendfach geteilt und kommentiert. Doch der Gesuchte wurde am Bahnhof nicht gefunden.

Suche nach Marcel H.: Polizeieinsatz in Krankenhaus in Mönchengladbach beendet

Gestern meldete sich ein 16-Jähriger bei der Polizei, der sich auf dem Foto wiedererkannt hatte. Der Jugendlich gab an, er sei zwar zur besagten Zeit am Bahnhof gewesen, er habe jedoch mit dem Gesuchten nichts zu tun. Die Polizei bestätigt das am Abend: Der Jugendliche auf dem Foto ist nicht Marcel H.. Immer wieder tauchen solche Bilder im Internet auf, Fotos, die ihn angeblich auf der Flucht zeigen. Noch während das Neuwerker Krankenhaus von oben nach unten durchkämmt wird, gehen bei der Mönchengladbacher Polizei weitere Meldungen und Hinweise zu dem mutmaßlichen Kindermörder ein. Zeugen wollen ihn in mehreren Geschäften in der Stadt gesehen haben.

Als die Durchsuchung des Krankenhauses auf Hochtouren läuft, befindet sich der Stadtteil Neuwerk im Ausnahmezustand aus Angst vor Marcel H.. Der Kindergarten gleich neben dem Krankenhaus hat die Türen verriegelt, die Mädchen und Jungen sollen nicht ins Freie gehen. Schließlich gilt der Gesuchte als gefährlich. Auch andere Kindergärten und Schulen im Stadtgebiet beginnen mit Sicherheitsvorkehrungen. Über WhatsApp-Gruppen werden Nachrichten verbreitet, dass die Kinder nach Schulschluss abgeholt werden sollten. Viele Eltern und Lehrer melden sich beim Schulamt und bei der Polizei. Sie wollen wissen, wie sie die Kinder schützen können. "Unser schulpsychologischer Dienst steht den ganzen Tag zur Verfügung und gibt Empfehlungen. Und unser Krisenteam steht auch bereit", sagt ein Stadtsprecher.

Auffallende Gefühlskälte

Mönchengladbach: Polizei sucht Marcel H. in einem Krankenhaus

Am frühen Nachmittag gibt die Polizei Entwarnung: Der Gesuchte war nicht im Krankenhaus Neuwerk. Der Mann, der der Klinik-Mitarbeiterin aufgefallen war, habe Marcel H. nur sehr ähnlich gesehen. Zu dem Zeitpunkt laufen auch in anderen Städten ähnliche Suchaktionen. Überall häufen sich Hinweise, dass Marcel H.. gesichtet worden sei. In Wilnsdorf im Kreis Siegen-Wittgenstein etwa wird mit zahlreichen Streifenwagen, Diensthunden und Hubschrauber gesucht. Angeblich wird H.. dort von den Kameras eines Autohofs gefilmt. Aber auch dieser Einsatz wird ergebnislos beendet. Am Morgen bereits gingen in Düsseldorf-Benrath Polizisten Hinweisen nach, auch in Herne lief ein Großeinsatz.

Mehr als 1400 solcher Hinweise aus ganz Deutschland gingen bis gestern bei der Polizei ein, die meisten davon kamen aus Nordrhein-Westfalen. "Wir haben die Vermutung, dass er sich immer noch in NRW aufhält", sagte ein Sprecher der Polizei Dortmund. Am Nachmittag werteten die Ermittler eine Audiobotschaft mit Schilderungen zu der Tötung des Neunjährigen in Herne aus. "Wir nehmen an, dass sie vom Täter stammt", sagte ein Polizeisprecher. Dieser beschreibe in der Aufnahme seine Eindrücke nach dem Mord. Auffallend sei die Gefühlskälte.

(RP)