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Marcel H. aus Herne: Imbiss-Besitzer schildert die Festnahme

Neunjähriger in Herne erstochen : Imbiss-Besitzer schildert die Festnahme von Marcel H.

Der mutmaßliche Kindsmörder Marcel H. ist nun in Haft. In der Nacht hat er schon eine Aussage gemacht. Unterdessen schildert der Imbiss-Inhaber unserer Redaktion, wie die Festnahme von Marcel H. abgelaufen ist.

Als der schwarz gekleidete junge Mann um kurz nach 20 Uhr in den Imbiss kommt, sind gerade keine anderen Gäste im Laden. Das erzählt die Frau des Imbiss-Besitzers. Marcel H. hatte sich am Donnerstagabend in einem griechischen Imbiss in Herne der Polizei gestellt. "Er sagte zu meinem Mann: Ich bin der aus dem Internet, ruft die Polizei, ich stelle mich." Ihr Mann (54) habe zuerst gedacht, der Typ sei ein Spinner. Marcel H. habe gesagt: "Guck doch im Internet nach."

Ihr Mann habe nachgesehen und gesagt: "Oh, das ist er." Sie habe dann die 110 gewählt. Marcel H. habe anders ausgesehen, weil er keine Brille trug wie auf den Fahndungsbildern. "Er war nicht bewaffnet und hatte kein Geld bei sich." Der Junge habe aber einen Regenschirm und einen Sack Zwiebeln dabei gehabt, sei ganz ruhig gewesen und habe sich widerstandslos festnehmen lassen. Der "Thessaloniki Grill" hat am Freitag wieder ganz normal geöffnet. "Wir versuchen Gyros zu machen wie sonst auch", sagt die Inhaberin.

Derweil wurde neue Details zum mutmaßlichen Täter bekannt: Marcel H. hat einem Medienbericht zufolge erfolglos eine Laufbahn als Berufssoldat angestrebt. Der 19-Jährige habe sich im vergangenen Herbst als Zeitsoldat bei der Bundeswehr beworben, berichtete das Magazin "Spiegel" am Freitag vorab unter Berufung auf mehrere Quellen. Die Bundeswehr habe H. jedoch nicht genommen und die Bewerbung im Februar abgelehnt. Mitschüler sagen dem "Spiegel" zufolge, H. habe einen regelrechten "Armeefimmel" gehabt.

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Der mutmaßliche Kindermörder hat nach seiner Festnahme ausgesagt. "Er hat sich in der Nacht bei der Polizei zur Sache eingelassen", sagte der Bochumer Oberstaatsanwalt Paul Jansen.

Marcel H. wurde am Freitag dem Haftrichter vorgeführt und ist in eine Justizvollzugsanstalt gebracht worden. Er wird verdächtigt, den neunjährigen Jaden in einer ehemaligen Bergbausiedlung in Wanne erstochen zu haben. Das Kind war am Montagabend im Keller des Hauses von Marcel H. gefunden worden.

Die Ermittler fanden am Donnerstagabend in einer Wohnung in Herne eine weitere Leiche. Die Spurensicherung ist auch am Freitag vor Ort. In weißen Schutzanzügen und mit Mundschutz betraten am Vormittag mehrere Kriminaltechniker das Mehrfamilienhaus, in dem die Leiche gefunden wurde. Inzwischen steht fest, dass der Tote ein junger Bewohner der Stadt war.

Die Flagge vor dem Rathaus von Herne hängt auf halbmast. Die Stadt wolle damit ein Zeichen des Mitgefühls und der Trauer setzen, hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Stadt. Auch ein Kondolenzbuch werde ausgelegt, um den Bewohnern die Möglichkeit zu geben, ihre Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen.

Passanten äußerten sich erleichtert darüber, dass der gesuchte mutmaßliche Kindermörder gefasst wurde. "Es hat uns alle betroffen", sagte eine 40 Jahre alte Frau. Sie habe selbst zwei Kinder. Sie habe in den vergangenen Tagen ihre Schicht umgelegt, um ihre 12 und 14 Jahre alten Kinder persönlich zur Schule begleiten zu können.

Die Stadt hat die Sicherheitsmaßnahmen an den Kindergärten in Herne am Freitagmorgen aufgehoben. Dies sagte ein Stadtsprecher. Die städtischen Einrichtungen waren in den vergangenen Tagen aufgefordert gewesen, die Türen geschlossen zu halten und die Kinder nicht draußen spielen zu lassen. Als Empfehlung war diese Maßnahme auch an die anderen Träger von Kindertagesstätten übermittelt worden.

Mit Agenturmaterial