Lügde: Herbert Reul lässt Argumente des Personalmangels nach Polizeiskandal nicht gelten

Reul zum Polizeiskandal in Lügde : „Auch wenn wenige da sind, müssen die ordentlich arbeiten“

Nachdem es im Missbrauchsfall von Lügde mehrere Pannen bei der Ermittlungsarbeit gegeben hat, geht NRW-Innenminister hart mit der örtlichen Polizei ins Gericht. Auch Personalmangel könne keine Entschuldigung für derartige Fehler sein.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) lässt das Argument des Personalmangels als Erklärung für die Polizeipannen im Missbrauchsfall Lügde nicht gelten. „Auch wenn wenige da sind, müssen die ordentlich arbeiten. Das tut mir leid, das spielt keine Rolle. Dann muss man sich mehr Zeit nehmen“, sagte er dem WDR. Polizeiräume zum Beispiel müssten abgeschlossen werden.

Während der Ermittlungen zum massenhaften Kindesmissbrauch waren Beweisstücke aus dem Gebäude der Kreispolizei in Detmold verschwunden. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft handelt es sich um 155 CDs und DVDs, die auf dem Campingplatz und in der Wohnung des Hauptverdächtigen gefunden worden waren. Die Datenträger in einer Mappe und in einem Aluminiumkoffer sollten in einen extra eingerichteten Asservatenraum bei der Polizei Lippe umgelagert werden. Dabei fiel auf, dass das Material fehlte. Auf dem Campingplatz im Kreis Lippe sollen über Jahre mindestens 31 Kinder missbraucht und gefilmt worden sein.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) wirft der Landesregierung vor, die Politik wisse seit Jahren, wie es in der Behörde aussehe. Die Kripo sei ausgeblutet und liege am Boden, im vergangenen Jahr hätten 60 Leute gefehlt. Nun zeige sich, was Personalmangel bedeute.

Mittlerweile suchen LKA-Spezialisten nach den Beweisstücken. „Rein theoretisch“ könne der Koffer „irgendwo noch rumstehen“, erklärte Reul am Samstagabend. „Es war auch zwischendurch mal ein Umzug da oben, dann waren noch mal Handwerker da.“

(siev/dpa)
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