Loveparade: Gericht sieht geringe Schuld bei sieben Angeklagten

Loveparade-Katastrophe in Duisburg : Gericht sieht geringe Schuld bei sieben Angeklagten

Im Prozess um das Loveparade-Unglück hat das Gericht für sieben Angeklagte wegen geringer Schuld eine Einstellung ohne Auflage vorgeschlagen. Das sagte Anwalt Julius Reiter nach dem sogenannten Rechtsgespräch am Mittwoch.

Der Vorschlag gelte für die sechs städtischen Bediensteten, die nur im Vorfeld in die Planung eingebunden gewesen seien, so Reiter. Auch für einen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent habe das Duisburger Landgericht nur geringe Schuld gesehen. Er soll rein repräsentative Aufgaben gehabt haben.

Bei den anderen drei angeklagten Lopavent-Mitarbeitern habe das Gericht wegen deren Einbindung in die organisatorischen Abläufe am Veranstaltungstag eine „mittlere“ Schuld gesehen. Hier habe das Gericht eine Einstellung gegen Auflage vorgeschlagen, sagte ein Verteidiger.

Das Duisburger Landgericht hält eine Einstellung des Prozesses um die Loveparade-Katastrophe für denkbar. Das Gespräch fand – wie üblich bei Rechtsgesprächen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Es nahmen nach Gerichtsangaben 24 Verteidiger, 26 Nebenklage-Vertreter, drei Staatsanwälte und drei Richter daran teil.

Grundsätzlich ging es in dem Rechtsgespräch um eine Bestandsaufnahme des bisherigen Verfahrens und darum, wie es weitergehen kann. Am 27. Juli 2020 droht die Verjährung. Ein Gerichtssprecher sagte, der Prozess werde auch im Fall einer Einstellung noch mehrere Wochen andauern.

In dem Strafprozess hat das Gericht bisher in 13 Monaten 96 Verhandlungstage absolviert und 58 Zeugen und acht Sachverständige gehört. Sollte das Verfahren fortgesetzt werden, könnten noch bis zu 575 Zeugen gehört werden, hatte das Gericht den Anwälten zufolge in Aussicht gestellt.

Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg gab es am einzigen Zu- und Abgang zum Veranstaltungsgelände ein so großes Gedränge, dass 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt wurden. Angeklagt sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier des Veranstalters Lopavent.

Die Mitarbeiter des Veranstalters sollen ein ungeeignetes Zu- und Abgangssystem geplant haben. Mitarbeiter der Stadt sollen die Veranstaltung rechtswidrig genehmigt haben. Alle zehn Angeklagten sind wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt.

(kess/dpa/AFP)
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