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Limbecker Platz in Essen: Die Terrorspur führt nach Syrien

Geplanter Anschlag in Essen : Die Terrorspur führt nach Syrien

Ein Islamist aus Oberhausen soll im Netz Attentäter für den Anschlag auf das Essener Einkaufszentrum gesucht haben. Die Polizei riegelte das Gebäude am Samstag vollständig ab. Für NRW-Innenminister Jäger eine konsequente Reaktion.

Im Herzen der Innenstadt von Essen haben die Sicherheitskräfte am Wochenende eine Einkaufsmeile dichtgemacht und damit offenbar einen Terroranschlag verhindern können. Das beliebte Einkaufszentrum am Limbecker Platz in der City bleibe geschlossen, weil "konkrete Hinweise" auf einen Anschlag vorlägen, teilte die Essener Polizei am frühen Samstagmorgen mit, ohne Einzelheiten zu nennen.

Stunden später sickerte durch, dass es einen islamistischen Hintergrund zu geben scheint: Ein Salafist aus Oberhausen, der sich zurzeit in Syrien aufhält, soll per Internet zu einem Anschlag auf das Zentrum aufgefordert haben. Die entsprechenden Informationen hatte der Bundesnachrichtendienst aufgefangen. Es sei sehr ungewöhnlich, dass im Netz so offen Anschlagspläne preisgegeben würden, hieß es dazu.

Gegen Mittag die Meldung einer Festnahme

Am Samstagmorgen kommen jedenfalls keine Kunden in das Einkaufszentrum, das zu den größten in Deutschland zählt. Schwer bewaffnete Polizeibeamte mit Schutzwesten und zum Teil mit Spürhunden haben das Gebäude umstellt; eine Hundertschaft sucht drinnen nach versteckten Sprengsätzen. Die Mitarbeiter und Reinigungskräfte, die sich bereits vor Öffnung des Zentrums in den Verkaufsräumen eingefunden haben, müssen das Gebäude verlassen. Auch zu den angeschlossenen Parkhäusern wird keine Durchfahrt gewährt.

Gegen Mittag teilt die Polizei mit, dass in Oberhauen im Zusammenhang mit dem angedrohten Essener Anschlag ein Mann festgenommen worden sei und dessen Wohnung durchsucht werde. Kurz darauf ist von einem weiteren Mann die Rede, der in einem Oberhausener Internetcafé festgesetzt worden sei.

Oberhausen. Immer wieder Oberhausen. Dort hatte die Polizei im Dezember vergangenen Jahres ein starkes Aufgebot am und im belebten Einkaufszentrum "Centro" postiert. Damals kursierten Spekulationen über einen möglichen Anschlag. Zwei Brüder aus dem Kosovo wurden von der Polizei festgenommen, dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

Wegen der "generellen Eignung des Centros Oberhausen als Ziel eines Anschlags", wie die Polizei formuliert, wird am Samstag auch dort das Polizeiaufgebot verstärkt. Allerdings gebe es keinen Hinweis auf einen Schlag, versichern die Sicherheitskräfte.

Unterdessen vernimmt die Polizei einen der beiden Männer, während der in dem Internetcafé Festgenommene nach seiner Befragung wieder gehen kann. Am Montag wird auch der zweite Festgenommene entlassen. Die Ergebnisse der Auswertung der bei der Durchsuchung aufgefundenen Gegenstände stünden aber noch aus, heißt es. Um welche Gegenstände es sich handelt, bleibt einstweilen unklar. Beide Männer sind offenbar keine direkten Tatverdächtigen, sondern könnten Kontaktpersonen des mutmaßlichen Drahtziehers sein.

Dieser soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Mitglied der salafistischen Szene in Oberhausen sein und schon seit längerer Zeit von den Sicherheitsbehörden beobachtet werden. Aus Syrien soll der Mann, der Mitglied des terroristischen IS sein soll, per Internet-Messenger versucht haben, mehrere Personen für einen Angriff auf das Essener Einkaufszentrum zu gewinnen.

Ein Teil der Attentäter könnte sich bereits in Deutschland befinden, während ein anderer Teil aus dem Ausland einreisen sollte. Wie viele Terroristen sich an dem Anschlag hätten beteiligen sollen, ist nicht bekannt. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung soll der Salafist den Komplizen Anleitungen zum Bau von Bomben gegeben haben.

Das "Gemeinsame Terrorabwehrzentrum" (GTAZ) von Bund und Ländern soll sich in den letzten Tagen mehrfach mit den bekanntgewordenen Anschlagsplänen befasst haben. Die Essener Polizei sei eingeschaltet worden, nachdem sich die Details der Planung konkretisiert hätten, hieß es.

NRW-Innenminister Ralf Jäger zeigte sich am Sonntag erleichtert über den Verlauf der Großaktion. "Die Sicherheitsbehörden haben die Hinweise ernst genommen und sehr umsichtig, konsequent und frühzeitig reagiert", so der SPD-Politiker, der den Beamten für ihren Großeinsatz dankte. Die weiteren Ermittlungen würden nun mit Hochdruck fortgeführt, um die genauen Hintergründe aufzuklären. "Nach den bisherigen Erkenntnissen liegen keine Hinweise dafür vor, dass mit Umsetzung oder Vorbereitungen konkret begonnen wurde", betonte Jäger.

In Nordrhein-Westfalen bewegten sich die Sicherheitsmaßnahmen seit Langem auf einem hohen Niveau: "Die Sicherheitsbehörden sind sensibilisiert und sehr wachsam", so der Innenminister. Das Vorgehen in Essen zeige, "dass sie sehr gut zusammenarbeiten und ihre Informationen untereinander eng austauschen".

Das Einkaufszentrum Limbecker Platz wird am Montag wieder öffnen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei schließt Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen

(hüw)