71-Jährige stellte Pfarrer nach: Liebes-Terror am Pfarrhaus: Haftstrafe für Stalkerin

71-Jährige stellte Pfarrer nach : Liebes-Terror am Pfarrhaus: Haftstrafe für Stalkerin

Liebes-Terror am Pfarrhaus: Weil sie einem Geistlichen seit Jahren mit Briefen, Anrufen und Emails nachstellte, soll eine 71-Jährige für 14 Monate ins Gefängnis. Eine Bewährungsstrafe kam für das Amtsgericht im sauerländischen Meschede nicht in Betracht.

Jahrelang hatte eine 71-Jährige einen katholischen Pfarrer aus dem Sauerland mit Liebesbriefen und Telefonanrufen bedrängt. Am Donnerstag verhängte das Amtsgericht Meschede eine Haftstrafe ohne Bewährung gegen die Stalkerin. Die Frau soll für 14 Monate ins Gefängnis.

Pastor Michael Hammerschmidt wurde viele Jahre von einer Frau mit Liebesbekundungen überhäuft. Foto: dpa, mg hpl

Eine Bewährungsstrafe kam für das Schöffengericht nicht in Betracht, weil die Frau den Geistlichen auch nach der Anklage gegen sie nicht in Ruhe ließ. Auch mehrere Therapien und Klinik-Aufenthalte hatten die 71-Jährige nicht davon abgebracht, dem Pfarrer nachzustellen.

Das Gericht ging bei seiner Entscheidung davon aus, dass die Frau zwar unter einer Persönlichkeitsstörung leide, aber schuldfähig sei. Der Verteidiger der 71-Jährigen kündigte Berufung an. Die Frau leide unter einem krankhaften Liebeswahn und könne nicht zur Verantwortung gezogen werden. "Sie ist krank und kann nicht anders", sagte der Anwalt. Die Gutachter waren sich über die Schuldfähigkeit der Seniorin nicht einig.

Die Frau hatte laut Anklage immer wieder den Vorgarten des Pfarrhauses im Mescheder Ortsteil Freienohl mit Blumen, Herzchen und Luftballons dekoriert. Außerdem rief sie den Geistlichen täglich mehrmals an, schickte Emails und schrieb Liebesbriefe mit zum Teil obszönem Inhalt.

Angefangen hatte der Liebes-Terror bereits vor 13 Jahren. "Ich habe ihn 2000 zufällig getroffen. Es hat mich wie ein Blitz erwischt. Ich wusste ja nicht, dass er der Pastor ist", sagte die 71-Jährige vor Gericht. Bei mehreren Gutachtern hatte die Frau immer wieder von einer Seelenverwandtschaft mit dem Geistlichen gesprochen.

Zunächst hatte die Frau den Pastor nur umworben. Später verstärkten sich ihre Attacken, sie tauchte sogar nackt am Pfarrhaus auf. In den vergangenen Jahren habe dies nachgelassen, sagte der Pfarrer im Zeugenstand. "Sie ist ja auch älter geworden." Er fühle sich immer noch tagtäglich von der Frau verfolgt und wolle nur noch seine Ruhe haben. Der Pfarrer fürchtet trotz der Verurteilung weiter Opfer der Stalkerin zu werden.

(lnw)
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