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Lernen auf Probe: Hennefer Grundschüler lernen mit dem iPad

Modellversuch in Hennef : Erstklässler lernen auf dem iPad

Im Rhein-Sieg-Kreis lernen Erstklässler mit eigenen iPads. Die Schule will in einem deutschlandweit einzigen Modellversuch dieser Art ausprobieren, ob Schüler mit den Tablet-Computern individueller und schneller lernen.

Eigentlich tun Eltern von i-Dötzchen viel dafür, dass ihre Kinder nicht die ganze Zeit das Smartphone oder das Tablet in der Hand halten und Daddeln. In einer Grundschule in Hennef macht man sich die kindliche Affinität für solche "Spielsachen" nun auch didaktisch zunutze. Die Klasse 1c an der Gemeinschaftsgrundschule Gartenstraße lernt seit dem Ende der Weihnachtsferien mit iPads.

Die 30 Kinder der Schulklasse haben nun alle ein eigenes iPad, das sie im Unterricht benutzen dürfen. "Die Idee dazu hatten wir schon vor ein einhalb Jahren", sagt die Schulleiterin der Hennefer Gemeinschaftsgrundschule Anke Hennig. Die Medienbeauftragte aus dem Lehrer-Kollegium, Ulrike Gemein, hatte die Idee. Sie ist nun auch die Klassenlehrerin der Tablet-Klasse. Doch damit eine ganze Klasse am Ende dauerhaft mit iPads lernen kann, brauchte es noch Geld und ein Konzept, das erst genehmigt werden musste.

Tablets für den Unterricht gibt es in Hennef seit Längerem

An der Hennefer Grundschule gibt es schon seit Längerem 31 Tablets, die jede Klasse im Unterricht benutzen darf. Der Nachteil: Schüler können die Übungen, die sie gemacht haben, nicht abspeichern und in der nächsten Stunde weiterbearbeiten. "Außerdem gab es häufig zeitliche Überschneidungen", sagt Hennig.

Als das Konzept stand, trat die Schule auf der Bildungsmesse Didacta an den Cornelsen-Verlag heran, der viele Schulbücher und Unterrichtsmaterialien herausgibt. Susanne Rupp war sofort von dem Projekt überzeugt. Sie leitet die Abteilung für E-Didaktik im Verlag. Sie sieht eine Chance in dem Versuch, mehr darüber herauszufinden, wann und wo im Unterricht es sinnvoll ist, digitale Medien fürs Lernen einzusetzen. 9000 Euro hat der Verlag gegeben, damit die 30 iPads angeschafft werden konnten. Welche Apps zum Einsatz kommen, das bestimmt aber nicht der Verlag, erklärt die Schulleiterin. "Bei der Wahl des Unterrichtsmaterials sind wir frei." Seit dem ersten Schultag nach den Weihnachtsferien ist es nun soweit.

"Wir mussten uns erst noch die Zustimmung der Schulkonferenz holen, damit wir loslegen können", erklärt die Schulleiterin. Deswegen war ein Beginn mit dem Projekt erst zum Sommerhalbjahr möglich. Die Eltern wurden schon bei der Schulanmeldung gefragt, ob sie ihre Kinder in die Tablet-Klasse schicken möchten. "Manche von ihnen waren sofort überzeugt, andere haben es auch ganz abgelehnt", sagt Schulleiterin Hennig. "Wir haben bei der Klassenzuteilung darauf geachtet, dass kein Kind in der Klasse sitzt, dessen Eltern zuvor nicht damit einverstanden waren."

Der Unterricht mit den Tablets soll individueller sein. Das versprechen sich die Lehrer von dem deutschlandweit ersten Modellversuch dieser Art. Zum Beispiel sollen Kinder, die erst noch Deutsch lernen müssen, über spezielle Sprach-Apps im Unterricht unterstützt werden. Und Inklusionskinder sollen durch persönlich auf sie zugeschnittene Aufgaben auch besser eingebunden werden.

Für jeden gibt es individuelle Aufgaben

Klassenlehrerin Gemein hat den Kindern zum Beispiel beigebracht, wie man QR-Codes scannt. Jedes Kind hat mittlerweile seinen eigenen QR-Code, für den die Lehrerin Aufgaben hinterlegt. Doch nicht in jedem Unterrichtsfach ist das Lernen mit dem Tablet angesagt: Bislang nutzen die Kinder das iPad in den Fächern Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und Englisch. "Schere, Klebestift und Papier kommen auch nach wie vor zum Einsatz", sagt Hennig. Und es gelten strenge Regeln für den Gebrauch. "Die Kinder nehmen das sehr gut an und akzeptieren, wenn das iPad weggeräumt werden muss."

Die Schüler werden von der 1. bis zur 4. Klasse begleitet. "Über Vergleichsarbeiten wollen wir testen, ob die Tablet-Klasse leistungsstärker ist", sagt die Schulleiterin. Außerdem läuft gerade eine Anfrage bei der Uni Duisburg-Essen, ob sie das Projekt wissenschaftlich begleiten will. Klassenlehrerin Ulrike Gemein überlegt sogar, ob sie über das Projekt eine Doktorarbeit schreiben möchte. Auch der Verlag wird die Schüler in den kommenden vier Jahren begleiten. Die Schule ist auch mit einer Programmiererin in Kontakt, die neue Lern-Apps für die Schüler entwickeln soll.

Und die Tablets bleiben nach dem Unterricht bislang noch in der Schule. Das liegt an der Versicherung, erklärt Hennig. Langfristig kann sie sich aber auch vorstellen, dass die Kinder die iPads auch benutzen, um ihre Hausaufgaben zu machen.

(heif)