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Landesbetrieb Straßen NRW: Brücken im Land sind sicher

Debatte nach Einsturz in Genua : Schwerverkehr setzt den Brücken in NRW zu

Bei vielen Brücken in Nordrhein-Westfalen gibt es dem Straßenbetrieb NRW zufolge Handlungsbedarf. Viele sind für die heutige Verkehrsbelastung nicht ausgelegt. Experten sind sich trotzdem einig: Die Brücken im Land sind sicher. Ein Vorfall wie in Genua sei hier nicht denkbar.

Auf den Brücken an Autobahnen und Landesstraßen in NRW besteht dem Landesbetrieb Straßen NRW zufolge kein Sicherheitsrisiko für Verkehrsteilnehmer. Bei vielen Brücken, insbesondere denen aus den 1960er und 70er Jahren, gebe es aber Handlungsbedarf, sagte eine Sprecherin. Diese seien für deutlich geringere Verkehrsbelastungen geplant und gebaut worden. Besonders der zunehmende Schwerverkehr sei problematisch, „ein Lkw hat auf der Autobahn die gleiche Zerstörungswirkung wie bis zu 60.000 Pkw.“

Die Brücken würden von Experten aber in sehr kurzen Abständen geprüft. Alle sechs Jahre findet demnach eine Hauptprüfung statt, alle drei eine sogenannte einfache Prüfung. Dazu kommen systematische Beobachtungen durch die jeweiligen Autobahn- oder Straßenmeistereien und Zusatzprüfungen, etwa nach Unfällen oder Hochwasser. Dem NRW-Verkehrsministerium zufolge werden zudem permanent Reparatur-, Sanierungs- und Verstärkungsarbeiten vorgenommen. Diesen Bauwerksprüfungen kommt der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zufolge eine immer größere Bedeutung zu. Die Brücken würden älter, der Verkehr nehme extrem zu. Auch für das BASt steht laut einem Sprecher fest: „Ein Vorfall wie in Genua ist in Deutschland nicht denkbar.“ Auch der Bund hat nach dem Brückeneinsturz mit Dutzenden Todesopfern versichert, dass die hiesigen Brücken regelmäßig überprüft würden.

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Der Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW, Heinrich Bökamp, warnt, die dringend nötigen Maßnahmen zu verschleppen. Sonst könnten Restrisiken nicht ausgeschlossen werden. Ein Beispiel sei die A1-Rheinbrücke bei Leverkusen: „Die Brücke wäre einsturzgefährdet, wenn weiter Lkw darüber fahren dürften. Jetzt hofft man, dass sie hält, bis die neue Brücke fertig ist.“ Die Brücke war 2014 für den Lkw-Verkehr gesperrt worden, nachdem massive Schäden festgestellt worden waren. Zudem gilt ein Tempolimit von 60 Kilometern pro Stunde. Der erste Teil der neuen Brücke soll 2020 fertig werden.

Laut Bökamp ist zudem die Kontrolle von Brücken im kommunalen Bereich problematisch, da es keine gesetzliche Verpflichtung zur Bauwerksprüfung gebe. „Bei den kommunalen Brücken hängt die Entscheidung, ob und wann geprüft und anschließend saniert wird, auch von den Mitteln der Kommune ab“, so Bökamp. Und in NRW gebe es deutlich mehr kommunale Brücken als die 10.000, für die der Landesbetrieb Straßen NRW zuständig sei.

Der Ingenieur fordert deshalb, die an vielen Brücken notwendigen Sanierungsmaßnahmen zu beschleunigen, etwa durch schnellere Vergabeverfahren. „Sicherheitsrelevante Defizite sind keine Schönheitsreparaturen. Hier müsste viel schneller gehandelt werden.“