Ku-Klux-Klan in NRW: Rechtsextreme Gruppierung auch in Deutschland aktiv

Rechtsextreme in NRW : „Die Gefahr des Ku-Klux-Klans sollte nicht unterschätzt werden“

Der Ku-Klux-Klan verbreitet in den USA mit seinen fremdenfeindlichen Taten Angst und Schrecken. Doch auch in Deutschland hat die rechtsextreme Gruppierung eine lange Geschichte. Wie gefährlich ist sie in NRW?

Weiße, spitze Kapuzen und brennende Kreuze: Der Ku-Klux-Klan ist berüchtigt für seine Gewalttaten gegen Schwarze, vor allem im Süden der USA. Doch auch in NRW hat die rassistische Gruppierung Mitglieder. Bei einer Razzia gegen Rechtsextreme sind Mitte Januar mehr als 100 Waffen sichergestellt worden, darunter Macheten, Wurfsterne, Luftdruckpistolen, Teleskopschlagstöcke und Schwerter. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hatten bundesweit zwölf Wohnungen und Gebäude durchsucht, unter anderem in Langenfeld und Lindlar.

Im Fokus stehen 17 Verdächtige zwischen 17 und 59 Jahren; sie sollen Anhänger der kriminellen Vereinigung „National Socialist Knights of the Ku-Klux-Klan Deutschland“ sein, sogenannte „nationalsozialistische Ritter“. „Drei Menschen aus Nordrhein-Westfalen zählen zu den Beschuldigten“, teilte der NRW-Verfassungsschutz auf Anfrage unserer Redaktion mit. Das LKA ermittelt gegen etwa 40 Beschuldigte in Deutschland.

„Die Großrazzia zeigt, dass die Behörden heute sensibler reagieren und den KKK nicht mehr so einfach abtun, wie es früher teilweise der Fall war“, sagt Tanjev Schultz. Der Journalismus-Professor an der Universität Mainz hat mit dem Journalisten Frederik Obermaier ein Buch über den Clan geschrieben. „Auch die sogenannte Reichsbürger-Szene wurde lange Zeit belächelt, bis die Sicherheitsbehörden verstanden haben, dass es doch mitunter um mehr geht als harmlose Spinnerei.“

Den Recherchen der Autoren zufolge reicht die Geschichte des Ku-Klux-Klans in Deutschland bis in die Weimarer Republik zurück. „Seitdem gibt es immer wieder neue KKK-Gruppen“, erzählt Schultz. „Teilweise sind sie eher regional begrenzt, teilweise haben sie Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet.“ Anfang der 1990er Jahre wurde in Brandenburg ein Nigerianer von einem Mob fast zu Tode geprügelt. Die Angreifer skandierten dabei „Ku-Klux-Klan“. „Der Name wird von verschiedenen rechtsextremistischen Gruppierungen verwendet, die in der Regel nicht miteinander in Kontakt stehen“, erklärt der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz. „Das Verbindende ist, dass sich die Gruppierungen in die Tradition des US-amerikanischen KKK stellen wollen. Es gibt verschiedene Gruppierungen mit unterschiedlichen Aktivitäten und Gefährdungspotenzial.“

In NRW ging der Geheimbund 2011 einen Schritt in die Öffentlichkeit: In dem Jahr wurden die Internetseiten „KKK Ruhrgebiet“ und „Teutonische Ritter des KKK in Deutschland – Distrikt NRW“ online gestellt. Laut NRW-Verfassungsschutz steht dahinter der „gleiche, sehr kleine Personenkreis“. Die Internetseiten wurden seit mehreren Jahren nicht mehr aktualisiert. „Sie wirken recht unprofessionell. Das ist aber nicht untypisch für KKK-Gruppen, bei denen selbsternannte Anführer krude Texte zusammenstellen“, sagt Schultz.

Einige der Mitglieder seien bereits als Rechtsextreme bekannt, berichtete das NRW-Innenministerium im Januar 2013 im Innenausschuss. Die Mitgliederzahl sei einstellig. „Das bedeutet aber nicht, dass der KKK ungefährlich ist“, gibt Schultz zu bedenken, „denn wir wissen natürlich nicht, wer sich da vielleicht noch alles unerkannt in der Szene tummelt.“ Laut „Distrikt NRW“ gibt es 13 Ortsgruppen im Ruhrgebiet, unter anderem in Duisburg und Essen.

Nach Angaben der Stuttgarter Staatsanwaltschaft verbindet die Mitglieder ihre „rechte Gesinnung, die sich unter anderem in einer Glorifizierung des Nationalsozialismus äußert“. Manche Mitglieder zeigen demnach verbale Gewaltbereitschaft, planen sich zu bewaffnen und hegen Gewaltfantasien. „In der Selbstdarstellung wird zwar oft eine Christlichkeit beschworen, das kann man aber nicht ernst nehmen“, sagt Schultz. „Manche Mitglieder sind eher typische Neonazis, andere werden angezogen durch das Geheimnisvolle, das den Clan umgibt.“

Diese mystische, martialische Darstellung wird auch auf der Internetseite des „KKK Ruhrgebiet“ betont. Auf einem Foto posieren dort sieben Männer mit einer Flagge in der Hand, ihre Gesichter sind verpixelt. Die Flagge zeigt das Wappen von Nordrhein-Westfalen – mit entscheidenden Änderungen: Das westfälische Pferd bäumt sich auf, darauf sitzt ein Mensch in weißem Kapuzengewand mit einer brennenden Fackel in der Hand. Außerdem ist die lippische Rose ersetzt durch ein brennendes Feuerkreuz, Untergrund des Wappens ist die Reichskriegsflagge.

Auf einem anderen Bild ist ein mit Deutschland-Flagge gedeckter Tisch zu sehen. Darauf liegen ein Kreuz, ein Schwert sowie der „Kloran“, das heilige Buch mit Regeln und Ritualen des KKK. Mitglieder sollen demnach etwa Alkohol nur in Maßen trinken, um keine Geheimnisse auszuplaudern. Außerdem sollen die sogenannten Ritter „stets mutig sein und bereit zu kämpfen“.

Die NRW-Gruppierungen seien bis heute aber nicht durch „öffentlichkeitswirksame Aktionen in Erscheinung getreten“, berichtet der NRW-Verfassungsschutz. Tanjev Schultz warnt trotzdem davor, mögliche Gefahren zu unterschätzen: Zwischen 2001 und 2016 wurden bei den deutschen Behörden 68 Straftaten mit Bezug zum Klan dokumentiert. „Es gab weitere Fälle, in denen der Klan in Deutschland eine Rolle spielte, doch nicht immer ist klar, ob es sich um feste Organisationsformen mit formaler Mitgliedschaft handelt“, erklärt er.

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