Kriminelle Clans in NRW: 6449 Verdächtige, 14.225 Straftaten

Kriminelle Clans in NRW : 6449 Verdächtige, 14.225 Straftaten

Bei einer Polizeitagung in Essen steht das Thema Clan-Kriminalität im Mittelpunkt. Die Zahlen sind erschreckend. Stark betroffen ist das Ruhrgebiet, vor allem Essen. Der Leitende Kriminaldirektor zieht Vergleiche zur Cosa Nostra.

Die sogenannten kriminellen Clans haben in den Jahren von 2016 bis 2018 landesweit 14.225 Straftaten begangen. „Das Ausmaß des Dunkelfeldes dürfte zudem sehr groß sein“, sagte Thomas Jungbluth vom Landeskriminalamt am Mittwoch auf einer Polizeitagung in Essen. Rund ein Drittel der Taten seien Gewaltdelikte wie Körperverletzung. Ermittelt werden konnten 6449 Tatverdächtige. Auffällig sei dabei, dass jeder fünfte Tatverdächtige weiblich sei, so der Leitende Kriminaldirektor des LKA. „Darüber hinaus haben wir 15 Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität eingeleitet – unter anderem wegen Rauschgifts“, sagte Jungbluth.

Trotz zahlreicher polizeilicher Maßnahmen breiten sich die Clans in NRW offenbar immer weiter aus. Zählte das LKA im November vergangenen Jahres noch rund 50 Clans, so seien es mittlerweile deutlich über 50, so Jungbluth. Fast jeder Kreispolizeibehörde habe in unterschiedlicher krimineller Ausprägung mit Clanmitgliedern zu tun. Hochburgen sei aber nach wie vor das Ruhrgebiet – vor allem aber Essen. Von den landesweit 6449 ermittelnden Tatverdächtigen kämen laut LKA 1277 aus Essen – so viele wie aus keiner anderen Stadt. Es folgten Recklinghausen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund und Duisburg. „Man erkennt bei diesen Clans Muster, die an die Anfänge der Cosa Nostra auf Sizilien erinnern“, so Jungbluth. Daher müsse man unbedingt den Druck auf diese Clans hochhalten und weiter mit intensiven Razzien gegen sie vorgehen. „Damit sie sich hier nicht so festsetzen können, dass wir sie überhaupt nicht mehr wegbekommen“, betonte der Kriminaldirektor.

Die Bekämpfung der Clankriminalität sei einer der kriminalpolitischen Schwerpunkte der nordrhein-westfälischen Landesregierung, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). In den vergangenen 30 Jahren hätten sich in den Ruhrgebietsstädten Brennpunkte der Clankriminalität gebildet. „Solange in Teilen des Ruhrgebiets Clanfamilien herrschen, wird es schwer für eine bessere Zukunft der Region“, sagte Reul. Es sei vonseiten der Behörden und der Politik viel zu lange nichts gegen diese Strukturen gemacht worden. Statt zu handeln, hätte man immer nur nachgedacht, wie mit dieser Klientel umzugehen sei. Essens Polizeipräsident Frank Richter ergänzte: „Eine verfehlte und gescheiterte Integrationspolitik ist Schuld an der Situation.“ Man habe viel zu lange versucht Menschen zu integrieren, die den deutschen Rechtsstaat nicht nur ablehnen, sondern auch bekämpfen.

Wohin diese offenkundig verfehlte Politik geführt hat, skizzierte Daniela Lesmeister vom Innenministerium und erste Polizistin des Landes. Mitarbeiter städtischer Behörden würden sich nicht mehr trauen,ohne Polizeischutz in bestimmte Stadtteile zu gehen. „Das kann nicht sein. Und das werden wir nicht länger zulassen“, betonte Lesmeister.

(csh)
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