Kreuz-Beschluss von Markus Söder löst "Unbehagen" im Bistum Essen aus

Vorschrift in Bayern: Söders Kreuz-Beschluss löst "Unbehagen" im Bistum Essen aus

In den Dienstgebäuden des Freistaats Bayern sollen demnächst Kreuze hängen - das hat das bayerische Kabinett am Dienstag beschlossen. Ministerpräsident Söder schritt danach sofort zur Tat. Kritik an der Maßnahme kommt jetzt aus dem Bistum Essen. Die Rede ist von einer Instrumentalisierung des Kreuzes für politische Zwecke.

In den Dienstgebäuden des Freistaats Bayern sollen demnächst Kreuze hängen - das hat das bayerische Kabinett am Dienstag beschlossen. Ministerpräsident Söder schritt danach sofort zur Tat. Kritik an der Maßnahme kommt jetzt aus dem Bistum Essen. Die Rede ist von einer Instrumentalisierung des Kreuzes für politische Zwecke.

Auf den ersten Blick sei es sicher erfreulich, wenn das Kreuz als zentrales Symbol des Christentums so öffentlich wertgeschätzt werde, heißt es aus dem Bistum auf Anfrage unserer Redaktion. Allerdings nur dann, wenn dieser Schritt nicht primär politisch motiviert sei. "Vor diesem Hintergrund löst die Initiative des bayerischen Ministerpräsidenten Unbehagen aus", heißt es in der Stellungnahme.

Denen, die den Verdacht hegten, dass das Kreuz in Bayern zweckentfremdet und gewissermaßen instrumentalisiert werde, sei Recht zu geben. Wie Söder ausdrücklich betone, sei nach seinem Verständnis das Kreuz nicht das Symbol einer Religion, sondern "sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland". "Diese Einschätzung entspricht nicht unserem Verständnis des Kreuzes — für uns Christen ist das Kreuz das Zeichen von Tod und Auferstehung und damit ein Symbol der Hoffnung für alle Menschen, dass das Leben nicht mit dem Tod zu Ende ist."

Am Dienstag hatte das bayerische Kabinett um Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beschlossen, dass ab Juni 2018 in den Dienstgebäuden des Freistaates Bayern Kreuze aufgehängt werden sollen. Anschließend schritt Söder selbst zur Tat und hängte ein Kreuz im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei auf.

"Es ist wohl kaum davon auszugehen, dass eine nordrhein-westfälische Landesregierung eine ähnliche Idee hätte", heißt es aus dem Bistum Essen dazu.

Das Bistum Münster äußerte sich am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion ähnlich. "Das Kreuz darf nicht als Zeichen der Ausgrenzung von Nicht-Christen verwendet werden", sagte Generalvikar Norbert Köster.

Auch das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland kommentierte den bayerischen Beschluss abwartend. "Ein Kreuz in Behörden an sich sagt noch nicht viel. Wesentlicher scheint mir, dass der Staat die ihn prägenden Werte im Umgang mit den Menschen, die die Behörden in Anspruch nehmen, auch lebt", sagte Vizepräsident Johann Weusmann, leitender Jurist der Landeskirche.

(heif)
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